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die  Zunge  wie  gelähmt.  Ein  Anderer  reißt  ihm  das  Papier  aus
der  Hand,  erkennt  sofort  ans  dem  Striche  die  Wahrheit  und  ruft:
„Meine  Herren!  Unser  guter  Herr  ist  todt  und  der  neue  König
schickt  euch  alle  zum  Teufel.“  9

Also  indessen  war  es  nicht  die  volle  Wahrheit.  Friedrich
Wilhelm  bot  statt  des  Kammerherrnschlüssels  den  Degen,  statt  des
Gallakleides  den  blauen  Rock.  Die  Meisten  waren  klug  genug
den  Tausch  anzunehmen.  Nur  einmal  noch  wetteifert  der  Sohn
in  der  Entwickelung  unerhörter  Pracht  mit  dem  hingeschiedenen
Vater.  Es  ist  beim  Leichenbegängnisse,  welches  der  Sohn  in  kindlicher
  Pietät  veranstaltet  gemäß  den  Wünschen  des  Sterbenden.
Dann  war  Alles  vorbei.

Denn  das  Soldatenwesen  füllte  die  ganze  Seele  des  jungen
Königs.  Nach  dem  an  sich  sehr  wahrscheinlichen  Berichte  Friedrichs
  II.,  hatte  auf  diese  Neigung,  um  sie  zu  einem  Entschlusse  zu
bringen,  sie  zur  Grundlage  einer  ganzen  Lebensrichtung  zu  machen,
wesentlich  eingewirkt  ein  Vorfall  in  den  flandrischen  Feldzügen.2)
Friedrich  Wilhelm  machte  dieselben  als  Kronprinz  mit,  und  die
Kriegsgeschichte  nennt  die  Leistung  der  Reichstruppen  von  Brandenburg
  in  der  mörderischen  Schlacht  von  Malplaquet  mit  großen
Ehren.  Der  Prinz  war  zugegen  bei  der  Belagerung  von  Tournai.
Dort  fand  er  zwei  englische  Generale  in  lebhaftem  Streite.  Der
Eine  behauptete,  daß  der  König  von  Preußen  ohne  Subsidien  Mühe
haben  würde  15,000  Mann  Soldaten  zu  halten.  Der  Andere
entgegnete:  dieser  König  könne  20,000  Mann  bezahlen.  Der  junge
Prinz  gerieth  in  Eifer  und  sagte:  „Der  König,  mein  Vater,  kann
30,000  Mann  halten,  wenn  er  nur  will.“  Die  Engländer  nahmen
lächelnd  die  Worte  für  einen  Ausfall  des  Ehrgeizes  des  jungen
Mannes.

1)  Vergl.  Förster:  Friedrich  Wilhelm  I.  Bd.  I.  S.  174.  —  2)  Oerv.
de  Frédéric  le  Grand.  I.  127.
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