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Wozu  dies  unverhältnismäßige  Heer?  Wozu  der  ungeheuere
Druck  des  Landes,  um  Soldaten  und  immer  mehr  Soldaten  anzuschaffen?
  Also  fragten  die  Minister  des  Kaisers,  wie  die  benachbarten
  Fürsten.  Der  Verdacht  einer  bösen  Absicht,  einer  Ruhe—
störung,  einer  Eroberung,  eines  unversehenen  Einbruches  in  friedliche
  Länder,  lag  gar  zu  nahe.  Allmälig  jedoch  beruhigte  der
Charakter  dieser  neuen  soldatischen  Macht  über  feindselige  Absichten
  im  Großen.  Man  erkannte  im  Laufe  der  Jahre,  daß  dies
sonderbare  Heer  nicht  zusammengebracht  werde,  um  als  Mittel  zu
irgend  einem  anderen  Zwecke  zu  dienen,  sondern  daß  das  Heer  in
sich  selbst  Zweck,  Ziel  und  Ende  sei.  Friedrich  Wilhelm  hatte  seine
Freude  an  den  Gliederpuppen.  Er  drillte  sie  ein.  Das  schien  sein
höchster  Lebenszweck  zu  sein,  und  die  Spottreden  seiner  Nachbaren
über  den  gekrönten  Unteroffizier  hatten  kein  Ende.  Friedrich  Wilhelm
  scheute  den  Krieg.  Es  bedurfte  selbst  wiederholter  Reizungen
des  störrigen  Schweden  Karl  XII.,  um  Friedrich  Wilhelm  zu  Angriffen
  auf  Stettin  zu  bewegen.  Wenn  er  seiner  Reichspflicht
gemäß  sein  Contingent  stellen  mußte,  so  trug  er  zärtliche  Sorge,
damit  seine  lieben  Blauen  nicht  Schaden  litten.  Er  verlangte,
daß  sie  täglich  nicht  mehr  als  zwei,  höchstens  drei  Meilen  marschirten,
  an  jedem  vierten  Tage  sich  ausruhten,  in  keine  Festung
gelegt  würden,  die  muthmaßlich  eine  Belagerung  auszuhalten  hätte,
und  im  Winter  sechs  Monate  lang  eine  gute  Verpflegung  genössen.
Die  Nachbaren  im  Reiche  haßten  und  fürchteten  den  neuen  König
bald  nicht  mehr  wegen  der  Gefahr  im  Großen,  die  ihnen  seine
unverhältnismäßige  Kriegsmacht  zu  drohen  schien,  sondern  wegen
der  unendlichen  Reiberei  im  Kleinen.  Vor  den  Werbern  von
Brandenburg  war  in  den  kleinen  Staaten  Niemand  sicher  in  seinem
eigenen  Hause.  Mit  List,  mit  Gewalt,  durch  Raub  auf  den  Heerstraßen,
  durch  nächtlichen  Einbruch,  führten  preußische  Werber

1)  Förster:  Friedr.  Wilh.  I.  Bd.  II.  Urkundenbuch  73.