Dritter  Abschnitt.

Die  Geburt  des  Kronprinzen  Friedrich  im  Januar  1712  warf
noch  einen  letzten  Schimmer  wahrer  Freude  in  das  prachtvoll  öde
Leben  Friedrichs  I.  Er  starb  mit  der  Beruhigung,  daß  der  männliche
  Stamm  seines  Hauses  gesichert  war.  Friedrich  Wilhelm  sorgte
mit  väterlicher  Zucht  nach  seiner  Art  für  die  Erziehung  seines
Thronerben.  Es  war  nicht  die  Art,  welche  dem  Naturell  des
Knaben  zusagte,  und  sehr  bald  wandten  sich  die  Gemüther  von
einander  ab.  Um  so  härter  ward  die  Behandlung,  welche  der
Prinz  erfuhr.  Das  elterliche  Haus  ward  zerrüttet  durch  Zwietracht.
  Auf  der  einen  Seite  stand  die  Königin  mit  ihren  beiden
ältesten  Kindern,  auf  der  anderen  der  König,  geneigt  zu  Mistrauen
und  Argwohn  und  auflodernd  im  grimmen  Jähzorn.

Das  älteste  dieser  Kinder,  die  Markgräfin  von  Baireuth,  hat
später  die  Erlebnisse  dieser  Jugend  aufgezeichnet.  Es  ist  nicht  ein
Buch  voll  Blut  und  Mord,  und  dennoch  widert  es  uns  an,  daß
jemals  ein  Kind  in  solcher  Weise  das  Walten  und  Thun  des
Vaters  beschreiben  könne,  Jahre  lang  nach  seinem  Tode.  An  der
Stelle  kindlicher  Pietät  herrscht  dort  nur  Bitterkeit  und  Haß.
Man  hat  gesagt  und  vielleicht  mit  Recht,  daß  wenn  auch  nur  die
Hälfte  des  Erzählten  durchaus  wahr  und  begründet  sei,  schon  diese

Klopp,  der  König  Frichrich  U.  3