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Nach  dem  Finkenfange  bei  Maxen  bricht  der  unumschränkte  König
gegen  seinen  Vorleser  in  die  schmerzlichsten  Klagen  aus.  Worüber?
Ueber  den  eben  erlittenen  Verlust  von  Maxen  hebt  sich  als  tieferer,
dunklerer  Schatten  empor  das  traurige  Schicksal  seiner  Jugend,
und  der  47;jährige  Mann  läßt  nicht  ab  zu  erzählen,  was  damals,
was  er  als  Knabe  erlitten,  und  wie  man  dann  ihn  behandelt  habe
in  Küstrin.,)

Die  allzu  harte  Zucht  entwickelt  einen  eigenwilligen,  nicht
einen  selbstständigen,  festen  Charakter.  Das  Gefühl  des  Rechtes
und  Unrechtes  ist  niemals  stärker  als  bei  einem  Kinde.  Jeder
Schlag  zu  viel  schlägt  einen  Pflock  in  das  zarte  kindliche  Gemüth
zur  Verstockung  und  Verhärtung.  Die  Waffe  des  Schwachen  dem
Starken  gegenüber  ist  List,  Verschlagenheit,  Unwahrheit,  Lüge.
Diese  Unwahrheit  tritt  früh  hervor.  Der  Brief  des  sechszehnjährigen
  Prinzen?)  an  seinen  Vater  vom  11.  September  1728,
zeigt  uns  das  unkindliche  Verhältnis  voll  Trotz  und  Unwahrheit.
Die  Antwort  des  Vaters  ist  herb  und  scharf.  Der  Prinz  sagt:
„Nach  langem  Nachdenken  zeigt  mir  mein  Gewissen  nicht  das
Mindeste  auf,  was  ich  mir  vorzuwerfen  hätte.“  Der  Vater  erwiedert:
  „Du  thust  in  nichts  meinen  Willen,  als  nur  mit  Zwang
angehalten.  Du  bist  eigensinnig  und  liebst  deinen  Vater  nicht.“

Das  Verhältnis  wird  trüber  von  Jahr  zu  Jahr  und  von
Monat  zu  Monat.  Die  Neigungen  gehen  weit  auseinander.  Der
Prinz  steht  unter  dem  Einflusse  französischer  Lehrer  und  französischer
  Literatur.  Es  ekelt  ihn  vor  dem  Qualme  und  den  rohen
Späßen  des  Tabaks-Collegiums,  welches  dem  derben  Vater  zum
täglichen  Bedürfnisse  geworden.  Der  endlose  Camaschendienst  ist
ihm  zuwider.  Aber  Friedrich  Wilhelm  ahnt  oder  weiß  auch  andere
Dinge.  Der  sittlich  strenge  Mann  sieht  mit  Kummer  und  Zorn
seinen  Sohn  die  Bahn  des  Lasters  betreten.  Und  dazu  taucht  in

1)  Oenvres  ae  F.  Tom.  XXVII.  3.  P.  XII.  —.  2)  a.  a.  O.  p.  9.
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