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That  nicht  das  Gepräge  innerer  Wahrheit  tragen,  machte  auf  den
König  den  Eindruck  einer  ernstlichen  Reue.  Es  ist  in  den  Briefen
des  Königs  an  seinen  Sohn  eine  eigenthümliche  Mischung  von
Mistrauen  und  Vatergefühl.  Was  Friedrich  Wilhelm  auch  thut
und  schreibt,  er  handelt  in  gutem  Glauben  und  in  voller  Ueberzeugung,
  daß  er  nur  das  Beste  seines  Sohnes  im  Auge  habe.
Dazu  soll  der  lange  Arrest  dienen.  Derselbe  soll  mit  Hülfe  theologischen
  Zuspruches  den  Prinzen  namentlich  von  der  Prädestinationslehre
  abbringen.  Friedrich  Wilhelm  ergeht  sich  über  dieselbe
in  scharfen  Ausdrücken.  Der  Prinz  soll  dahin  kommen,  meint  er,
die  verdammten  gottlosen  prädestinatianischen  Sentiments  aus  seinem
bösen  Herzen  mit  Christi  Blut  abzuwaschen.

Der  Abrede  mit  Seckendorf  gemäß,  schickt  der  König  seinen
Sohn  nach  Küstrin,  damit  er  dort  praktisch  an  der  Verwaltung
Antheil  nehmen  lerne.  Der  Prinz  bemüht  sich  auf  die  Gedanken
seines  Vaters  einzugehen,  und  Friedrich  Wilhelm  wendet  sich  mehr
und  mehr  ihm  wieder  zu.  „Hätte  ich  nicht  die  Erkenntnis  einer
solchen  unverdienten  Gnade,“  schreibt  der  Prinz:  1)  „so  wäre  ich
nicht  werth  ein  Mensch  zu  heißen.“  Man  muß  bei  diesen  Briefen
des  Prinzen  die  Unterwürfigkeit  der  Ausdrücke  jenes  Zeitalters  zum
Vollen  mit  in  Anschlag  bringen;  aber  selbst  auch  mit  dieser  Rücksicht
  sind  sie  sehr  wenig  erfreulich.  Auch  üben  sie  nur  sehr  langsam
  ihre  Wirkung.  Der  Vorwurf  der  Falschheit  klingt  von  seinem
Vater  her  immer  wieder  durch.  Auf  die  Bitte  des  Sohnes  ihm
wieder  den  blauen  Rock  anzuziehen,  entgegnet  der  Vater:  „Das
soll  lediglich  Schmeichelei  für  mich  sein.  Die  Grenadiere  sind  in
deinen  Augen  canaille;  aber  Petit-Maitres,  Franzosen,  Französinnen
  und  Komödianten:  das  ist  etwas  Nobleres,  das  ist  digne
d'un  Prince.  Das  sind  deine  innersten  Herzensgedanken,  die  dir
von  Jugend  auf  von  Schelmen  und  —  beigebracht  sind.“  2)

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1)  a.  a.  O.  S.  15.  —  2)  a.  a.  O.  S.  15.