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Es  war  doch  die  große  Frage,  ob  das  Benehmen  des  Prinzen
bei  aller  Loyalität,  in  die  seine  Briefe  an  den  Vater  sich  zu  hüllen
schienen,  jemals  diesem  einen  sicheren  Grund  des  Vertrauens  darbot.
  Wenn  der  Prinz  sich  wehrte  gegen  den  Namen  des  Atheisten:
so  durchdrang  doch  seine  Bemerkungen  schon  früh  der  ätzende  höhnende
  Spott  gegen  alles  positive  Kirchenthum,  der  in  den  Augen
des  ängstlichen  Baters  mit  wirklichem  Atheismus  unter  einem  Dache
wohnte.  Wie  sollte  auch  ein  Mann  des  praktischen  Lebens,  der
nach  seiner  Erzirhung,  nach  seiner  Anschauungsweise  Orthodoxie
und  Religion  für  gleichbedeutend  hielt,  es  versuchen  scharfe  Grenzlinien
  ziehen  zu  wollen  zwischen  diesen  Gebieten?  Philosophiren
war  nicht  die  Beschäftigung  des  Tabacks-Colleginms.  Wenn  man
Friedrich  Wilhelm  sagte,  daß  sein  Sohn  ein  Atheist  sei:  so  hieß
das  in  den  Augen  des  Vaters  so  viel,  daß  der  Sohn  den  Grundlagen
  aller  Sitte  und  Moral  entsagt  habe.  War  das  Benehmen
des  Prinzen  geeignet,  diesen  Verdacht  als  ungegründet  darzulegen?
Daß  der  Lebenswandel  des  Prinzen  nicht  lauter  sei,  1)  blieb  schwerlich
  ein  Geheimnis  vor  dem  Bater,  dem  selbst  die  scharfe  Feder  der
eigenen  Tochter  die  Anerkennung  des  sittlichstrengen  Lebens  nicht
versagt.  Friedrich  hatte  sein  Wort  gegeben  zu  heirathen  nach  dem
Befehle  des  Vaters.  Aber  im  Lebensalter  von  22  Jahren  verdeckt
man  schwer  die  wahre  Herzensmeinung.  Wenn  es  den  Eingeweihten
nicht  anders  als  offenkundig  sein  konnte,  wie  der  Prinz  hier  sein
Wort  zu  halten  oder  vicht  zu  halten  gedenke:  was  denn  hatte  der
Vater  von  den  Versicherungen  des  Gehorsams  bei  demselben  Prinzen
  zu  erwarten?  —

Friedrich  verhehlte  nicht  seine  Gesinnung,  noch  seine  Entschlüsse.
Er  theilt  sie  Grumbkow  offen  mit.?)  „Nach  der  Heirath,“  sagt
er,  „bin  ich  Herr  mit  der  Erlaubnis  dann  und  wann  der  sposa
cinen  Besuch  abzustatten.  —  Man  wird  sich  dann  mit  dem  Vater

1)  Oeuv.  XVI.  69.  —  2)  a.  a.  O.  p.  85.