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des  Wiener  Hofes  nach  dem  Auftreten  des  Königs  gegen  die  Mindermächtigen
  und  Schwachen  im  Reiche  nicht  unerklärlich.  Und  nicht
minder  begreiflich  ist  nach  der  Gemüthsart  des  Königs  seine  Aufwallung
  über  das,  was  er  selbst  verschuldet.

Und  dieses  Wort,  welches  nach  solchen  Vorgängen  und  unter
solchen  Umständen  gesprochen  wurde,  hören  wir  als  ein  Wort
nennen  von  schicksalsvoller  Bedeutung.  Man  sagt  uns,  daß  dies
Wort  für  den  Kronprinzen  Friedrich  ein  heiliges  Vermächtnis  gewesen
  sei.  Man  fragt,  wer  wohl  ihn  anklagen  dürfe,  daß  er  mit
dem  Schwerte  in  der  Hand  für  solche  Begegnung  von  Oestreich
Genugthuung  gefordert  habe.)

Solche  Worte  fahren  hoch  daher.  Indessen  erörtern  wir  die
Sachlage,  und  geben  zu,  was  zuzugeben  billig  ist.  Es  ist  nicht  das
erste  Mal,  daß  ein  Sohn  die  wahre  oder  vermeinte  Beleidigung,
die  dem  Vater  angethan  wird,  tiefer  empfindet  als  dieser  selbst,
daß  es  in  solchem  Falle  für  den  Sohn  nicht  des  Spornes  eines
besonderen  Wortes  bedarf,  um  ihn  seiner  Zeit  zur  Rache  zu  treiben
an  dem  Beleidiger.  Tritt  noch  ein  solches  Wort  hinzu:  so  scheint
daraus  allerdings  die  Pflicht  eines  Vermächtnisses  zu  erwachsen,
durch  welche  der  Sohn  gerechtfertigt  wird  zu  seinem  Thun.  Wir
sind  nun  glücklicher  Weise  bei  Friedrich  in  dem  besonderen  Falle,
daß  er  selber  für  die  Nachwelt  die  Beweggründe  seines  Thuns
nach  seiner  Auffassung  sorgfältig  zusammengestellt  hat.  :)  Er  hat
alles  gesammelt,  was  von  ihm  und  dem  Hause  Hohenzollern  mit
Recht  oder  Unrecht  gegen  den  Kaiser  Karl  VI.  vorgebracht  werden
konnte.  Er  geht  darin  so  weit  der  Nachwelt  zu  berichten,  daß  der
König  Friedrich  Wilhelm  ungeachtet  so  mancher  Anlässe  zum  Misvergnügen
  dem  Kaiserhause  zu  Gefallen  seinen  ältesten  Sohn  mit
einer  Nichte  der  Kaiserin,  der  Prinzessin  von  Braunschweig-Bevern
verheirathet  habe.  Mit  diesen  kurzen  Worten  macht  er  die  ganze,

1)  a.  a.  O.  S.  152.  —  2)  Oeuvres.  Tom.  I.  p.  163.
Klopp,  König  Friedrich  der  I.  5