Fünfter  Abschnitt.

Wir  sehen  den  jugendlichen  Mann  nach  und  nach  sich  lösen
von  allen  Banden,  welche  den  Menschen  mit  der  Menschheit  einen.
Er  hat  einen  Vater.  Aber  dieser  Vater  ist  ihm  der  Mann  des
Zornes  und  des  Schreckens,  gegen  den  er  kindliche  Zuneigung  nie
gefühlt.  Der  Vater  selbst  ist  der  Alp,  der  drückend  auf  seinem
Leben  liegt.  Monat  vergeht  auf  Monat,  und  Jahr  auf  Jahr,  und
noch  immer  will  dieser  Vater  dem  Sohne  nicht  den  Gefallen  thun
zu  sterben.  1)  Noch  immer  muß  der  Sohn  vor  ihm  sich  beugen
in  unwürdiger,  knechtischer  Heuchelei.  Er  hat  eine  Mutter.  Er
hat  später  sie  beklagt,  als  sie  starb;  aber  ein  voller  Herzensklang
kindlicher  Zuneigung  gegen  sie  ist  nicht  auf  uns  gekommen.  Er
hat  Geschwister,  unter  ihnen  eine  Schwester,  deren  Seelenstimmung
der  seinigen  nahe  steht.  Er  tauscht  mit  ihr  Briefe  über  dies,  über
jenes.  Er  meldet  ihr,  daß  noch  immer  der  Vater  nicht  sterben
wolle,  und  sie  erwiedert  diese  seine  Offenheit  mit  Wünschen,  wie
sie  solcher  Offenheit  entsprechen.  Aber  wie  dies  Verhältnis  nicht

1)  Es  dürfte  nicht  überflüssig  sein  zu  bemerken,  daß  dieser  Ausdruck  unse
seits  nur  statthaft  ist,  weil  ihn  der  Prinz  (Oenv.  XXVII.  1.  p.  35)  mittelbar
sehr  deutlich  selbst  gebraucht  hat.