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auf  gegenseitiger  Achtung  beruhen  kann:  so  ist  es  morsch  in  sich,
und  ein  leiser  Hauch,  das  Wagnis  der  Schwester  ihrer  Hofdame
zu  erlauben,  daß  diese  sich  einen  Gatten  wählt  nach  eigenem  Gefallen,
  genügt  später  das  Band  der  Geschwister  zu  zerreißen,  und
der  Schwester  die  spitzig  scharfe  Feder  in  die  Hand  zu  drücken
gegen  den  Bruder.  Er  hat  eine  Frau.  Sie  beide  weilen  unter
einem  Dache.  Aber  nur  die  Furcht  vor  dem  Zorne  des  grimmigen
Vaters  läßt  ihn  die  Gefährtin  seines  Lebens  dort  dulden.  Indem
er  seiner  Schwester  die  Mitglieder  des  Kreises  nennt,  der  zu  Rheinsberg
  ihn  umgibt,  läßt  er  nur  eine  aus:  die  Kronprinzessin  selbst.“)
Warum  auch  soll  er  ihrer  erwähnen,  die  ihm  nichts  ist  und  nichts
sein  kann?  Er  ist  religiös,  kirchlich  erzogen.  Er  hat  das  von  sich
geworfen.  Abermals  ist  es  nur  die  Furcht  vor  dem  Vater,  welche
öffentlich  ihn  Dinge  bekennen  läßt,  die  er  heimlich  verfolgt  mit
Spott  und  Hohn.  Er  hat  es  nicht  gewagt  dem  gründlichen  Achard
mit  Gründen  gegenüber  zu  treten.  Indem  er  den  positiven  Boden
verläßt,  hat  er  nicht  das  Bestreben  einen  anderen  sicheren  Hafen  zu
erreichen,  der  ihm,  wenn  er  doch  nicht  genügt,  die  Rückkehr  verstattet,
  sondern  zieht  es  vor  hinauszusteuern  auf  das  seichte  Meer
des  flachen  Räsonnirens,  umherzuirren  von  einer  Sandbank  zur
anderen,  und  diejenigen  mit  Spott  und  Hohn  zu  verfolgen,  die
nicht  ein  Gleiches  thun.

Er  lebt  zu  Rheinsberg.  Wenn  nicht  das  Gebot  des  Vaters
ihn  in  das  Fegefeuer  von  Wusterhausen  oder  Potsdam  bescheidet:
so  weilt  er  dort,  umgeben  von  einem  Kreise  von  Freunden.  Wie
wäre  es  auch  dem  Erben  einer  Krone  schwer  einen  Kreis  von
Freunden  zu  finden,  und  in  ihnen  die  eigenen  Anschauungen  des
Lebens  sich  wieder  spiegeln  zu  lassen!  Der  Prinz  ist  ausgestattet
mit  reichen  Gaben  der  Natur.  Er  hat  Wunsch  und  Streben  sie
auszubilden.  Er  bemüht  sich  um  Kenntnisse,  er  sucht  nachzuholen,

)  Oeuv.  XXVII.  1.  p.  46.
Klopp,  der  König  Frichrich  U.  6