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was  er  versäumt.  Aber  seine  Vorbilder  sind  auch  hier  wieder  die
Meister  der  glatten  Oberfläche.  Das  Bild  des  Hofnarren  Gund—
ling  hat  ihm  deutsche  Wissenschaft  und  deutsche  Art  für  immer  verleidet.
  Darum  sind  es  die  Franzosen  und  ihre  Sprache,  die  ihm
alles  vermitteln.  Auch  der  Glanz  des  klassischen  Alterthumes  gelangt
  nur  durch  dieses  französische  Medium  gebrochen  in  sein  Auge.
Dennoch  ist  es  immer  das  seltene  Beispiel,  daß  ein  Prinz,  ein
Thronerbe  seine  Zuflucht  sucht  in  Wissenschaft  und  Kunst.

Nur  zuweilen  blitzt  durch  dies  friedliche  Treiben  das  Wetterleuchten
  des  schwarzen  Gewölkes  der  Ruhmgier.  „Wie  doch  ist  es
möglich,“  schreibt  er  dem  neugierigen  Voltaire  im  April  1737,  „daß
mein  Regiment  Ihre  Neugier  hat  erregen  können?  Ich  wünschte,
es  wäre  bekannt  durch  seine  Tapferkeit  und  nicht  durch  seine  Schönheit.
  Ein  Regiment  muß  sich  nicht  durch  eitlen  Aufzug,  durch  Putz
und  Flitter  auszeichnen.  Ganz  andere  Krieger  führte  Alexander,  als
er  Griechenland  unterwarf  und  Asien  eroberte.“  Als  der  König
im  nächsten  Jahre  abermals  das  Regiment  des  Prinzen  lobt,  sagt
er,  nicht  zum  Könige,  sondern  zu  Camas:  „Ich  wünsche  nichts
sehnlicher  als  diese  selbe  Genugthuung,  die  ich  jetzt  empfinde,  zu
fühlen  beim  Ausgange  einer  Schlacht,  nachdem  ich  die  Feinde  geworfen.“
  )  Man  fragte  von  Wien  aus,  ob  auch  der  Prinz  das
Militär  liebe.  2)  „Freilich,“  antwortete  der  Baron  Seckendorf,  „und
zwar  solider,  als  sein  Vater.  Es  ist  sein  Grundsatz  zu  beginnen
mit  einem  Schlage,  der  Aufsehen  macht.  Sein  Günstling  Schulenburg
  räth  es  ihm  ab.“

Wenn  auch  immerhin  der  Kaiser  und  seine  Minister  in  Wien
diesen  Bericht  erwägen  mochten:  so  konnte  es  ihnen  nicht  in  den
Sinn  kommen,  daß  das  Ziel  eines  solchen  Schlages  das  Kaiserhaus
  sein  könne.  Es  lag  außerhalb  des  Kreises  menschlicher  Berechnung,
  daß  jemals  von  einem  Fürstenhause,  welches  traditionell

1)  Oenv.  XVI.  p.  151.  —  2)  Preuß.  I.  105.