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fraglich  sein,  ob  Spinoza  jemals  so  wegwerfend  über  alle  positive
Religion  sich  ausgesprochen,  wie  es  damals  bereits  Friedrich  II.
gegen  Voltaire  gethan.  Das  freilich  war  in  Briefen  geschehen,
die  damals  nicht  für  die  Oeffentlichkeit  bestimmt  waren.  Der  Anti-Machiavelli
  dagegen  war  für  die  Oeffentlichkeit  bestimmt.  Es  lag
noch  nicht  in  dem  Plane  des  jungen  Mannes  öffentlich  als  Freigeist
  aufzutreten,  zumal  da  er  das  Buch  noch  bei  Lebzeiten  des
Vaters,  im  letzten  Winter  verfaßt  hatte.  Damals  noch  schrieb  er
an  Voltaire:  1)  „Es  ist  höchst  schrecklich  in  dem  Verdachte  der  Irreligion
  zu  stehen.“  Mithin  konnte  ihm  zur  öffentlichen  Ablehnung
dieses  Verdachtes  ein  solcher  Vergleich  des  Spinoza  mit  einem  moralisch
  gebrandmarkten  Politiker  sehr  dienlich  sein.  Deshalb  fuhr
Friedrich  fort:  „Spinoza  untergrub  die  Fundamente  des  Glaubens
  und  strebte  die  Religion  zu  stürzen.  Machiovelli  verdarb
  die  Politik  und  untergrub  die  Grundsätze  der  gesunden
Moral.  Gegen  Spinoza  haben  die  Theologen  die  Lärmglocke
gezogen.  Den  Machiavelli  haben  nur  einige  Moralisten  angetastet,
und  trotz  seiner  verderblichen  Moral  sitzt  er  nach  wie  vor  auf
dem  Lehrstuhle  der  Politik.“  Was  will  demnach  der  Prinz?
—  „Ich  wage  es,“  sagt  er,  „die  Vertheidigung  der  Menschheit
gegen  dieses  Ungeheuer  zu  unternehmen,  das  sie  zu  zerstören  gedenkt.
  Ich  wage  es  Vernunft  und  Gerechtigkeit  dem  Sophisma
und  dem  Verbrechen  gegenüberzustellen,  damit  das  Gegengift  sich
unmittelbar  bei  dem  Gifte  befinde.  Ich  habe  immer  das  Buch
des  Machiavelli  als  eines  der  gefährlichsten  Werke  angesehen,  die
in  der  Welt  verbreitet  sind.“  Sollte  es  wohl?  Gefährlicher  vielleicht,
  als  die  Pucelle  von  Voltaire?  —  „Es  ist  ein  Buch,  welches
unvermeidlich  in  die  Hände  der  Fürsten  kommt  und  aller  derjenigen,
  welche  Geschmack  haben  für  die  Politik.  Es  ist  nur  zu
leicht,  daß  ein  junger  ehrgeiziger  Mensch,  dessen  Herz  und  Urtheil

1)  16.  Mai  1739  in  Oenv.  XXI.