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Ohne  Aufschub?  Wir  haben  gesehen,  daß  und  wie  er  schon
vor  dem  Tode  des  Vaters  sich  neue  Truppen  verschaffte.

„Vermittelst  einer  guten  Sparsamkeit  hob  er  fünfzehn  neue
Bataillone  aus,  und  erwartete  in  dieser  Stellung  die  Ereignisse,
die  es  dem  Schicksal  gefallen  würde  ihm  zu  verleihen,  um  sich
selbst  die  Gerechtigkeit  zu  verschaffen,  welche  Andere  ihm  versagten.“


Wie  seltsam  ist  alles  das!  Wenn  es  das  Recht  des  neuen
Königs  war  von  dem  Kaiser  Karl  VI.,  seinem  Wohlthäter,  Rechenschaft
  zu  fordern,  daß  derselbe'sein  Versprechen  in  Bezug  auf  Berg
nicht  erfüllte:  warum  denn  wartete  er,  bis  dieser  Kaiser  todt  war?
Für  die  Versprechungen,  die  Karl  VI.  als  Reichsoberhaupt  gemacht,
konnte  Niemand  einstehen,  als  das  Reichsoberhaupt  selbst.  Nur
an  dieses  konnte  und  durfte  der  König  sich  halten,  und  nicht  an  die
Erbin  seiner  Länder,  nicht  an  die  Fürstin,  welche  nicht  Reichsoberhaupt
  war.  Warum  denn  führte  Friedrich  II.  nicht  Beschwerde
bei  diesem  Reichsoberhaupte,  so  lange  es  lebte,  daß  von  daher
seinem  Vater  oder  ihm  Unrecht  geschehen  sei?  —  Nichts  von
alle  dem.  Er  wollte  Krieg,  er  wollte  erobern  und  zwar  von
der  Erbschaft  des  Kaiserhauses.  Das  ist  der  einzige  wahre  Gedanke,
  der  sich  hinter  alle  seine  Sophismen  verbirgt.  Wir  haben
genug  derselben  angedeutet.  Die  ferneren  sind  alle  von  gleichem
Schlage.

Der  Kaiser  Karl  VI.  starb  am  23.  October  1740.  Es  gab
wenigstens  einen  Mann,  der  wußte  oder  ahnte,  was  nun  kommen
werde.  Es  war  Suhm,  der  sächsische  Gesandte  in  Rußland,  der
dem  Prinzen  von  dort  her  die  Bücher  für  seine  Bibliothek  besorgt
hatte,  und  bei  dem  Beginne  der  neuen  Epoche  sofort  sich  bemühte,
in  den  Dienst  des  Freundes  zu  treten.  Suhm  beeilte  sich  dem
Könige  zu  schreiben::)  „Mein  lebhaftes  Interesse  an  dem  Glanze

1)  Oenv.  XVI.  402.