104

und  Glücke  der  Regierung,  welche  Sie  Ihren  theueren  Unterthanen
verheißen,  erlaubt  mir  nicht  von  diesem  Ereignisse  zu  sprechen,
ohne  im  Voraus  Ewr.  Majestät  Glück  zu  wünschen  wegen  der
großen  Conjuncturen,  welche  Ihnen  nun  die  Gelegenheit  darbieten
Ihren  Ruhm  zu  vermehren,  indem  Sie  arbeiten  für  die  Interessen
und  das  Glück  ihrer  Staaten.“

In  denselben  Tagen  erschien  der  Antimachiavelli  gedruckt.  Er
begann  friedlich  und  freundlich  mit  folgenden  Worten:!)  „In
früheren  Zeiten  zog  man  den  traurigen  Ruhm  der  Eroberer,  die
glänzenden  Thaten,  welche  durch  ihre  Größe  einen  gewissen  Respect
einflößen,  der  Sanftmuth,  der  Billigkeit  und  aller  Tugend  vor.
In  unseren  Tagen  sehe  ich,  daß  man  die  Menschlichkeit  höher
preist,  als  alle  Thaten  eines  Eroberers.  Man  begeht  nicht  mehr
den  Unsinn  durch  Lobreden  die  gransamen  Leidenschaften  zu  ermuthigen,
  welche  den  Umsturz  geordneter  Zustände  bezwecken.  Ich
frage,  was  kann  einen  Menschen  dahin  bringen  seine  Macht  vergrößern
  zu  wollen?  Was  für  Ansprüche  hat  er,  kraft  deren  er
seine  Macht  bauen  will  auf  das  Elend  und  die  Zerstörung  anderer
Menschen?  Wie  kann  er  glauben,  daß  er  sich  bereichert  machen
will,  indem  er  nur  Unglück  über  seine  Mitmenschen  bringt?  Die
neuen  Eroberungen  eines  Souveräns  machen  die  Staaten,  die  er
schon  besaß,  nicht  reicher,  nicht  wohlhabender.  Seine  Völker  haben
davon  keinen  Nutzen.  Wenn  er  glaubt,  daß  er  selbst  dadurch
glücklicher  werde,  täuscht  er  sich  sehr;  denn  nicht  die  Größe
des  Landes,  welches  ein  Fürst  beherrscht,  verschafft  ihm  wahren
Ruhm,  nicht  einige  Quadratmeilen  Landes  mehr  dienen  zu  seiner
Herrlichkeit.“

Die  erstaunte  Welt  las  solche  Worte  eines  Prinzen,  eines
Königs  mit  innerstem  Behagen.  Es  gab  damals  wie  in  unseren
Tagen  menschenfreundliche  Thoren,  welche  träumten  von  goldenen

——

1)  Oeuvres  de  F.  le  Grand.  VIII.  p.  69.