Sechster  Abschnitt.

Die  Nachricht  vom  Tode  des  Kaisers  trifft  den  neuen  König
fieberkrank  in  Rheinsberg.  Er  hat  keine  Zeit  noch  krank  zu  sein.
Die  Aerzte  wollen  ihm  nicht  so  viel  Chinin  verordnen,  als  er  für
nöthig  hält.)  Er  nimmt  es  auf  eigene  Verantwortung;  denn
die  Zeit  drängt.  „Ich  werde  nicht  nach  Berlin  gehen,“  meldet  er
Algarotti  am  28.  October,  also  unmittelbar  nach  der  Nachricht.
„Eine  Kleinigkeit,  wie  der  Tod  des  Kaisers  ist,  fordert  keine  großen
Regungen.  Alles  war  vorhergesehen,  alles  vorbereitet:  also  handelt
  es  sich  nur  um  die  Ausführung  der  Entwürfe,  welche  ich  seit
langer  Zeit  in  meinem  Kopfe  bewegt  habe.“  Nicht  so  offen  spricht
er  sich  gegen  Voltaire  aus.  „Der  Tod  des  Kaisers,“  sagt  er,
„zerstört  alle  meine  friedlichen  Ideen.“  Hatte  er  sie  denn  jemals
gehabt?

Indessen  mußte  er  doch  auch  Andere  zu  Rathe  ziehen:  Er
berief  zu  diesem  Zwecke  den  Feldmarschall  Schwerin  und  den  Minister
  Podewils.:)  Die  beiden  von  ihm  berufenen  Männer  riethen
dringend  ab.  Die  Gründe  ihres  Abrathens  sind,  so  viel  wir  wissen,
nicht  bekannt  geworden.  Aber  sie  liegen  ja  an  sich  nahe  genug.

1)  Preuß:  F.  d.  G.  I.  163.  —  2)  Dohm:  Denkwürdigkeiten  I.  4.