121

ihn  genöthigt  hätten  das  Anerbieten  auszuschlagen  und  daß  er  um
dieser  Achtung  willen  selbst  Brabant  ausschlagen  würde.

Die  Zeiten  wurden  stürmischer.  Der  Kurfürst  von  Bayern
wollte  seinen  Antheil  von  der  großen  Beute  haben.  Er  verbürgte
dem  Preußenkönige  das  Land  Schlesien,  und  der  König  wiederum
verbürgte  ihm  Oberöstreich,  Tyrol,  Breisgau  und  Böhmen.  Dennoch
  war  der  Unwille  in  Wien  gegen  den  Kurfürsten  nicht  so  groß,
als  gegen  den  König  Friedrich.  „Denn  der  Kurfürst  hat  nicht  geheuchelt
  und  ist  nicht  falsch  gewesen.  Er  hat  sich  gleich  anfangs
entdeckt  und  ist  ehrlich  zu  Werke  gegangen.“  Also  schreibt  die  alte
Kaiserin.  1)  Auch  Kursachsen  forderte  nun  seinen  Antheil.  England-Hannover
  dagegen  näherte  sich  mehr  und  mehr  der  Königin  Maria
Theresia,  und  schon  dachten  die  Franzosen  an  einen  Einfall  in
Hannover.  Friedrich  II.  wendete  dies  ab.  Er  erhob  dagegen  den
Einspruch,  daß  alle  deutsche  Fürsten  sich  dagegen  stemmen,  daß  auf
der  anderen  Seite  der  Hauptzweck  verfehlt  würde,  nämlich  mit  gesammter
  Macht  die  Königin  von  Ungarn  zu  erdrücken.

Regte  sich  vielleicht  in  diesem  Einwande  noch  eine  Spur  von
deutscher  Gesinnung,  von  deutschem  Patriotismus?  —  Eine  solche
ist  nach  dem  Vorangegangenen  nicht  zu  erwarten.  Indem  Friedrich
  später  dieses  sein  Abrathen  für  die  Nachwelt  ruhig  erörtert,
findet  er  darin  einen  großen  Fehler.  Er  meint,  es  hätte  doch  den
Franzosen  leicht  sein  müssen  sein  damals  so  schwaches  Räsonnement
  zu  widerlegen.  Hätten  sie  damals  Hannover  eingenommen:
so  konnte  Georg  II.  ihnen  später  nicht  am  Rheine  gegenüber  treten.

Wozu  ist  es  nöthig,  den  Kriegeshändeln  nachzugehen?  In
welcher  Weise  Friedrich  II.  die  Sache  führte,  deutet  eine  einzige
Cabinetsordre  an.“).  Als  er  in  Mähren  stand,  befahl  er  von
Znaym  aus  dem  Obersten  Schmettau:  „Wenn  Ihr  morgen  weggeht,
  so  ist  meine  Absicht,  daß  Ihr  an  den  Orten,  die  vorwärts

1)  Oeuv.  de  F.  1.  G.  II.  87  f.  —  2)  Preuß:  Urkundenbuch  I.  S.  5.