126
geeignet  sein  den  Jubel  der  Brandenburger  über  das  Fehlschlagen
der  französischen  Entwürfe  zu  dämpfen.

Dennoch  beharrte  Georg  II.  bei  seinem  Plane.  Friedrich  gebrauchte
  nach  seiner  Ansicht  4)  alle  die  Gründe,  welche  einem  deutschen
  Fürsten  geziemen,  den  der  Eifer  für  das  Wohl  seines  Vaterlandes
  und  für  die  freie  Reichsverfassung  beseelt.  Er  wiederholte
in  milderen  Worten  seine  Reden  vom  deutschen  Reichsboden,  den
Niemand  verletzen  dürfe.  Er  beschwor  diesen  Kurfürsten  von  Hannover:
  er  wolle  doch  nicht  ohne  die  wichtigsten  Ursachen  das  deutsche
Reich  zum  Schauplatze  seines  Krieges  machen.

Also  die  eigenen  Worte  des  Königs  Friedrich.  Wie  war  das
so  patriotisch,  wenn  man  nur  diese  Worte  ansieht?  Dennoch
hütete  er  sich  seine  frühere  Drohung  gegen  Hannover  ins  Werk  zu
setzen.  Nicht  eher  wieder  wollte  er  losbrechen,  als  sich  mit  dem
Losbruche  die  wahrscheinliche  Aussicht  des  Erfolges  verband.  Er
dachte  daran  einstweilen  einen,  wie  er  es  nannte,  neutralen  Bund
der  Reichsfürsten  zu  Stande  zu  bringen.  Seine  Absicht  mislang
wegen  der  Stimmung  derselben,  die  er  als  knechtische  Furcht  vor
dem  Hause  Oestreich  bezeichnet.  Hatte  denn  einer  der  deutschen
Reichsfürsten  Vertrauen  zu  ihm?  Er  warf  ihnen  Mangel  an  den
Gefühlen  der  Ehre  und  Pflicht  vor,  daß  sie  den  Kaiser  Karl  VII.
im  Stiche  ließen.  Und  doch  sagt  eben  derselbe  Mann,  daß  dieser
Kaiser  ein  Geschöpf  des  französischen  Cardinals  Fleury  war!  Und
doch  hatte  eben  dieser  selbe  Friedrich,  der  mit  den  Franzosen  dieses
Geschöpf  gemacht,  selber  zuerst  es  verlassen!  Wie  konnten  die  Anderen
  nach  dem  gewöhnlichen  Laufe  der  menschlichen  Dinge  ahnen
daß  Friedrich  II.  den  Frieden  von  Breslau  nur  in  der  Absicht  geschlossen;
  um  ihn  unter  günstigeren  Umständen  so  bald  wie  möglich
  wieder  brechen  zu  können?

Deshalb  weil  dies  seine  Absicht  war,  erstrebte  Friedrich  II.

—.

—  —

1)  Oeuv.  III.  5.  13.