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nicht  eine  wahre  Aussöhnung  mit  der  Erbin  von  Oestreich.  Eine
solche  wäre  möglich  gewesen,  wenn  er  um  den  Preis  von  Schlesien,
welches  sie  ja  doch  nun  einmal  abgetreten,  ihr  seine  Hülfe  anbot
gegen  den  gemeinsamen  Feind  der  ganzen  deutschen  Nation.  Allein
nicht  gegen  die  Franzosen  konnte  er  feindlich  sein,  sondern  nur
gegen  Oestreich.  Weil  ihn  das  böse  Gewissen  mahnte  an  das  was
er  gethan:  so  stand  es  ihm  fest,!)  daß  die  Königin  von  Ungarn
die  Abtretung  Schlesiens  als  erzwungen  ansehe,  daß  sie  in  besseren
Verhältnissen  ihre  unfreiwillige  Genehmigung  auf  die  Noth  und
die  drückenden  Umstände  schieben  werde.  Er  hatte  für  diese  Annahme
  auch  nicht  den  leisesten  positiven  Anhalt.  Aber  er  glaubte
es  und  demgemäß  handelte  er.  Nicht  Frieden  und  Aussöhnung
mit  Oestreich  durfte  er  nach  seiner  Meinung  erstreben,  sondern
jedes  andere  Bündnis  mit  jedem  Anderen,  der  ihn  gegen  Oestreich
schützen  könne.  Mit  Ludwig  XV.  war  er  für  eine  Weile  wegen
des  Friedens  von  Breslau  etwas  gespannt.  Aber  früher  oder
später  mußte  die  Gleichartigkeit  der  Interessen  gegen  Oestreich  und
die  deutsche  Nation  beide  Könige  wieder  zusammen  führen.  Und
zugleich  mußte  man  sich  anderswo  umsehen  nach  Bündnissen,  nämlich
  in  Rußland.

Friedrich  II.  verkannte  nicht  die  Gefährlichkeit  dieser  neuen
Macht.  Er  selbst  nennt  sie  geradezu  die  gefährlichste,  insbesondere
für  Preußen.  Darum  hielt  er  es  für  seine  Aufgabe  nicht  etwa
einträchtig  mit  der  gesammten  deutschen  Nation,  und  vor  allen
Dingen  mit  Oestreich  zusammen  zu  stehen  gegen  dieses  barbarische
Reich,  sondern  er  hielt  es  für  nöthig  sich  um  die  Freundschaft  des
russischen  Hofes  zu  bewerben  gegen  Oestreich.  Das  Mittel  war
seltsam.  Es  war  eine  Heirath.  Die  Kaiserin  Elisabeth  suchte
eine  Frau  für  ihren  Neffen  Peter.  Sie  hätte  eine  solche  aus  dem
Hause  von  Kursachsen  haben  können,  und  dies  Haus  schien  willig.

1)  Oeuv.  III.  7.