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Aber  Friedrich  II.  kam  dazwischen.  Er  scheute  sich  eine  Prinzessin
seines  Hauses  anzubieten,  weil  es,  wie  er  sagt,  wider  alles  natürliche
  Gefühl  war  eine  kursächsische  Prinzessin  durch  eine  Tochter
aus  königlichem  Geblüte  ausstechen  zu  lassen.  Er  war  darum  um
eine  andere  nicht  verlegen.  In  seinem  Heere  dienten  die  Fürsten
von  Anhalt.  Unter  ihnen  hatte  derjeuige  von  Zerbst  eine  geeignete
Tochter,  Namens  Sophie.  Es  kostete  mehr  Mühe  dies  Geschäft
zu  Stande  zu  bringen,  sagt  der  König,)  als  wenn  es  die  wichtigste
  Sache  von  der  Welt  gewesen  wäre.  Aber  war  dies  Geschäft
denn  nicht  etwa  ein  sehr  wichtiges?  Die  Hindernisse  allerdings
waren  seltsam,  und  man  sieht  dem  Berichte  des  Königs  die  Verachtung
  an  über  die  Möglichkeit  solcher  Hindernisse.  Die  Grundbedingung
  nämlich  war  die  Annahme  der  griechischen  Religion.
Nun  war  aber  der  Vater  ein  echter  Lutheraner,  sagt  der  König,
so  echt,  wie  man  es  nur  in  den  Zeiten  der  Reformation  sein  konnte.
Er  wollte  nicht  zugeben,  daß  seine  Tochter  abfiele  von  den  Lehren
seiner  und  ihrer  Jugend.  Dieser  Vater  mochte  vielleicht  auch  daran
  denken,  daß  man  eben  noch  das  arme  Volk  zum  blutigen  Kriege
gelockt  und  bethört  hatte  durch  das  Vorgeben  des  Protestantismus.
Er  mochte  vielleicht  selbst  glauben,  daß  es  damals  also  ernstlich
gemeint  gewesen  sei,  und  mithin  sehr  tief  noch  stehen  unter  den
lichten  Höhen  der  Philosophic.  Die  Schwierigkeit  war  groß.  Sie
schien  unübersteiglich,  bis  man  endlich  einen  Geistlichen  fand,
der  dem  gewissenhaften  Vater  bewies,  daß  die  griechische  Religion
so  ungefähr  das  nämliche  Ding  sei,  wie  das  Lutherthum.  Das
wirkte  und  der  Vater  gab  nach.  Ungeachtet  alles  dessen  war  die
Sache  so  geheim  und  vorsichtig  betrieben,  daß  alle  Welt  erstaunte,
als  auf  einmal  die  Prinzessin  Sophie  von  Zerbst  in  Petersburg
als  Großfürstin  Katharina  auftrat.  Wir  werden  den  König  Friedrich
  später  noch  mehr  als  einmal  in  derselben  Weise  thätig  sehen-1)

  Oenv.  III.  29.  ff.