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Während  er  dort  im  fernen  Nordosten  Europas  sich  bestrebte
die  Grundlage  zukünftiger  Bündnisse  zu  legen,  bot  sich  ihm  im
Nordwesten  des  deutschen  Reiches  Gelegenheit  zu  neuer  Erwerbung.
Es  war  das  Fürstenthum  Ostfriesland,  zu  dessen  Erlangung  bereits
  der  große  Kurfürst  die  Vorbereitung  gemacht.  Die  Stände
dieses  Landes  hatten  ausgedehnte  Rechte  und  zwar  aus  einem
seltsamen  Ursprunge.  Zur  Zeit  des  Kampfes  der  Niederländer  um
die  Unabhängigkeit  gegen  Spanien  waren  die  Landesherren  dort
gleich  allen  lutherischen  Fürsten  des  Reiches  durchweg  spanisch  gesinnt.
  Sie  lagen  im  Streite  mit  den  Ständen.  Dies  benutzten
die  Generalstaaten,  um  sich  als  Vermittler  anzubieten  und  aufzudrängen.
  Sie  umschnürten  den  Landesherrn  mit  den  Fesseln
einer  drückenden  Verfassung,  deren  Gewähr  sie  übernahmen.  Als  die
Macht  der  Generalstaaten  abnahm  und  dennoch  diese  Verfassung  bestehen
  blieb,  schwoll  der  Muth  der  Fürsten  empor  die  verfaßten  Bande
zu  brechen.  Der  Kurfürst  Friedrich  Wilhelm,  der  in  seinen  eigenen
Ländern  alles  ständische  Wesen  zu  Boden  trat,  bot  hier  den  Ständen
seine  hülfreiche  Hand  gegen  den  Landesherrn.  Er  hatte  weit  hinaus.
blickende  Plane  auf  Welthandel  und  Kriegsflotten,  und  dazu  sollten
ihm  die  vortrefflichen  Häfen  von  Ostfriesland  dienen.  Er  erwarb
sich  sogar  vom  Kaiser  die  Anwartschaft  auf  das  Land  beim  Aussterben
  des  fürstlichen  Hauses.  Tief  beleidigt  trat  dieses  dafür  dem
Welfenhause  näher  und  schloß  mit  demselben  eine  Erbverbrüderung.

Die  Nachfolger  des  großen  Kurfürsten  vergaßen  seine  hochstrebenden
  Plane,  nur  nicht  die  Absicht  auf  Erwerbung  des  Landes.
Die  Garnison  der  Brandenburger  in  Emden  blieb.  Unter  Friedrich  II.
entwickelten  die  Dinge  sich  rascher.  1)  Sofort  in  den  ersten  Monaten
knüpfte  er  ein  Einverständnis  mit  dem  Magistrate  in  Emden  an,
und  verlangte  für  die  Zusicherung  aller  Privilegien  das  Versprechen
der  Huldigung  sofort  nach  dem  Tode  des  Fürsten.  Dieser  war

1)  m.  vgl.  meine  Geschichte  Ostfrieslands  von  1571—1751.  S.  560  ff.
Klopp,  der  König  Friedrich  II.  9  '