130

jung,  aber  söhnelos.  Im  Frühling  1744  kam  man  zum  Abschlusse,
und  wenige  Wochen  nachher  starb  der  letzte  Fürst.  Einige  Stunden
später  huldigte  Emden.  Noch  am  selben  Tage  zog  die  Garnison
des  Preußenkönigs  durch  das  Land,  verlangte  und  erhielt  von  den
erstaunten  Einwohnern  die  Huldigung.  Friedrich  beschränkte  sich
nicht  auf  das  eigentliche  Ostfriesland,  auf  welches  er  kraft  der
kaiserlichen  Anwartschaft  einen  Anspruch  erheben  durfte.  Er  nahm
dazu  die  beiden  Aemter  des  Harlingerlandes,  ein  besonderes  Besitzthum
  der  fürstlichen  Familie,  welches  in  der  Urkunde  der  Anwartschaft
  für  den  großen  Kurfürsten  ausdrücklich  ausgeschlossen  war.

Alle  anderen  Bewerber  kamen  zu  spät.  Sie  forderten  Entscheidung
  der  Sache  vor  den  Reichsgerichten,  voran  Georg  II.  von
England-Hannover,  und  der  damalige  Graf  Kaunitz-Rietberg  und
das  Haus  Liechtenstein,  die  Ansprüche  auf  das  Harlingerland  erhoben.
  Was  kümmerte  Friedrich  II.  sich  um  die  Reichsgerichte?
Er  war  stark  und  die  Reichsgerichte  waren  schwach.

Schon  riefen  ihn  neue  Sorgen.  Die  Erfolge  Oestreichs
machten  ihn  bedenklich.  Er  wußte,  daß  Oestreich,  Sachsen,
England  -Hannover  bald  nach  dem  Breslauer  Frieden  Verabredung
  zu  einem  Bündnisse  getroffen.  )  Es  ward  ausdrücklich
darin  gesagt,  daß  das  Bündnis  dem  Breslauer  Frieden  nicht
zuwider  sein  solle,  weil  man  Friedrich  II.  nicht  reizen  wollte.
Bedurfte  es  für  ihn  einer  solchen  Reizung?  Er  hatte  abermals
die  Mittel  gesammelt  zu  einem  Kriege  für  zwei  Jahre.  Er
wollte  losbrechen,  und  eröffnete  seinen  Ministern  diesen  Entschluß.
Er  fand  bei  ihnen  dieselbe  Stimmung,  wie  vier  Jahre  zuvor.)
Sie  baten  und  mahnten  dringend  es  nicht  zu  thun.  Sie  nannten
es  einen  verkehrten  politischen  Grundsatz  Krieg  zu  führen,  um
Krieg  zu  vermeiden.  Der  König  erwiederte  ihnen,  daß  ihre  Furchtsamkeit
  sie  verblende.  Sollen  wir  es  abwarten,  fragt  er,  bis  die

1)  Oeuv.  III.  29.  —  Dohm  IV.  194.  —  2)  Oeuv.  III.  34.