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vor  den  unbetheiligten  Augen  der  Nachwelt  seine  Rechtfertigung
nieder  zu  legen.“

Wie  viel  kürzer,  bündiger  hat  Machiavelli  statt  dieses  Schwalles
von  Worten  sich  ausgedrückt:  „Es  kann  einem  Fürsten  nie  an  einem
Vorwande  fehlen  sein  Wort  zu  brechen!“

Dennoch  ist  es  sehr  wohl  möglich  und  wahrscheinlich,  daß
Friedrich  II.  bei  dieser  seiner  Rechtfertigung  vor  den  Franzosen  alle
solche  Worte  in  gutem  Glanben  an  seine  eigene  Ehrlichkeit  nieder
geschrieben.  Wer  auch  sollte  ihn  enttäuschen?  Er  wußte,  daß  Maria
Theresia  ihn  einen  Mann  von  großen  Eigenschaften,  jedoch  falsch
und  unredlich  nannte.)  Aber  das  war  ja  das  Wort  einer  Feindin.
In  Wahrheit  bewegt  er  sich  auch  bei  anderen  Dingen  in  dieser
Selbsttäuschung.  Man  hat  von  ihm  gerühmt,  daß  er  sich  den  ersten
Diener  des  Staates  nennt.  Man  kann  darin  noch  einen  Schritt
weiter  gehen.  Friedrich  huldigt  in  der  Theorie  der  durchaus  ungeschichtlichen
  Ansicht  der  Volkssouveränität.?)  „Die  Völker,“  sagt
er,  „haben  sich  um  der  Ruhe  und  des  Schutzes  willen  anfänglich
Souveräne  gewählt,  die  weisesten,  gerechtesten,  billigsten,  menschlichsten.
  Das  macht  die  Handlungsweise  der  Usurpatoren  nur  um
so  schlimmer;  denn  sie  treten  der  Absicht  des  Volkes  entgegen,
welches  sich  die  Souveräne  nur  gibt  gegen  die  Bedingung  des
Schutzes,  nur  darum  sich  ihm  unterwirft.“  Also  die  Theorie  des
Königs.  Mithin  entstammte  auch  seine  Macht  ursprünglich  einem
solchen  Auftrage  des  Volkes.  Aber  er  hat  sich  sehr  gehütet  aus
dieser  Theorie  jemals  eine  praktische  Folgerung  zu  ziehen.  Das
eben  ist  ein  hervorstechender  Zug  des  flachen  Räsonnirens,  welches
man  damals  Philosophie  nannte,  daß  man  leichtsinnig  so  manche
Dinge  theoretisch  aussprach,  welche  man  praktisch  nie  bewahrheiten
konnte,  in  diesem  Falle  freilich  auch  am  wenigsten  wollte.  Denn
es  hat  vielleicht  nie  einen  König  gegeben,  der  so  selbstwillig  per-1)

  Oeuv.  III  hist,  de  mon  temps.  —  2)  Oeuv.  VIII.  69.