154
Wie  es  mit  den  Strafen  stand,  möge  ein  Beispiel  statt  aller
darthun.  1)  Ein  Oberst  Du  Moulin  schreibt  1744  an  den  König:
E.  K.  M.  habe  hiedurch  allerunterthänigst  melden  sollen,  wie
ich  die  allerg.  confirmirte  Sentenz  wegen  des  Füseliers  Marufski,
so  zehn  Zoll  mißt  und  sich  aus  Melancholie  die  zwei  vordersten
Finger  abgehauen,  deshalb  auch  zu  24mal  Spießruthen  und  zwei
Jahren  Festungsarbeit  condemniret  worden,  weil  selbiger  noch  nicht
völlig  curirt,  bis  dato  nicht  exequiren  lassen  können.  Da  nun  sowohl
  viele  geistliche  als  weltliche  Personen  für  ihn  intercediren,
und  der  Kerl  aus  größter  Melancholie  diese  gottlose  That  verübt,
sein  achtzigjähriger  alter  Vater  auch  einen  anderen  schönen  Kerl  von
eben  seiner  Größe  an  seines  Sohnes  Stelle  der  Compagnie  zu
verschaffen  und  zu  stellen  sich  obligiret,  wenn  E.  K.  M.  ihm  die
dictirte  Strafe  allergnädigst  zu  erlassen  geruhen  wollen:  als  stelle
E.  K.  M.  allernnterthänigst  anheim,  was  Allerhöchstdieselben  desfalls
  allerg.  zu  resolviren  geruhen  werden.
Ich  ersterbe  in  dem  allersubmissesten  Respekt
Ewr.  Königl.  Maj.
Alleru.  treu  und  gehorsamster  Knecht

Du  Moulin.
Groß-Glegau,  d.  4.  April  1744.

Der  König  schrieb  eigenhändig  auf  die  Rückseite  dieses  Briefes:
Quelle  faiblesse,  mon  cher  Du-moulin!  II  faut  exécuter  les
loix;  car  dans  ces  occasions  les  exemples  sont  nécessaires.
Ne  mollissez  point,  et  tenez-vous-en  à  la  rigidité.  F.

War  dies  das  Heer,  von  welchem  der  König  sagte:  die  Welt
ruht  nicht  sicherer  auf  den  Schultern  des  Atlas  als  Preußen  auf
seiner  Armee?

Auf  den  Soldaten  im  Allgemeinen  setzte  Friedrich  weniger
Vertrauen,  sondern  vorzugsweise  auf  die  Offiziere.  Dieser  Stand

1)  Preuß.  IV.  334.