Neunter  Abschnitt.

Die  erste  und  wichtigste  Quelle  des  menschlichen  Erwerbes  ist
der  Ackerbau.  Um  Friedrichs  Wirksamkeit  für  denselben  zu  bezeichnen,
  denken  sich  ihn  seine  Verehrer  gern  auf  dem  Damme  des
Oderbruches  stehend,  wie  er  das  entwässerte  Land  überschaut  und
mit  Befriedigung  spricht:  „Ich  habe  eine  Provinz  erobert.“  Wir
möchten  diesen  Ruhm  nicht  schmälern.  Es  war  die  einzige  Eroberung,
  die  nicht  besudelt  war  mit  Blut  und  Fluch  und  dem
Verderben  der  Unschuldigen.  Nur  darf  man  nicht  so  weit  gehen
in  diesen  und  anderen  Erwerbungen,  die  Friedrich  machte,  eine
besondere  Fürsorge  für  den  Ackerbau  seiner  Unterthanen  erblicken
zu  wollen.  Man  hat  wohl  einmal  gesagt,  1)  daß  Friedrich  erst
in  der  letzten  Zeit  die  Hoffnung  zu  einer  blühenden  Land-Cultur
aufgegeben,  nachdem  viele  Plane  fehlgeschlagen  seien.  Erst  in  Folge
dessen  habe  er  eine  Vorliebe  für  das  Manufacturwesen  bekommen
und  dieses  auf  Kosten  des  Ackerbaues  begünstigt.  Nicht  also  sei
es  seine  frühere  Tendenz  gewesen.

Diese  Ansicht  ist  lediglich  eine  Vermuthung.  Das  Manufacturwesen
  ist  von  Anfang  an  die  Tendenz  des  Königs  gewesen.  Ueber-1)

  Thaer:  Möglinsche  Annalen  der  L.  I.  1.  Stück.
Klopp,  der  König  Friedrich  U.  1