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nannte,  wurden  Colonisten  eingeladen  sich  in  den  Ländern  des
Königs  von  Preußen  niederzulassen.  Die  Ausländer  hatten  den
Vorzug  vor  den  Eingeborenen;  denn  es  war  ja  eben  der  Zweck
der  Maßregel  die  Population  durch  neuen  Zuzug  zu  vermehren.
Die  Colonisten  erhielten  vieles  geschenkt:  Baumaterialien,  selbst
fertige  Häuser,  Vieh  und  Getreide,  Werkzeuge  zum  Ackerbau,  Geldzuschüsse,
  Befreiung  von  Abgaben  und  Militärdienst  für  eine  Reihe
von  Jahren.  Das  war  lockend  und  es  kamen  ihrer  viele  heran.

Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  unter  den  Fremdlingen,  die  also
heranzogen,  auch  brave  und  fleißige  Leute  gewesen  sind.  Doch
nicht  das  war  die  Regel.  Man  fand  unter  den  Heranziehenden
einfältige  Menschen,  die  beim  Anblicke  dessen  was  ihnen  geschenkt
wurde,  erstaunt  fragten,  wo  denn  nun  aber  die  Leute  seien,  die
das  geschenkte  Land  für  sie  bearbeiten  würden.  Es  war  ihnen
eine  harte  Enttäuschung,  daß  sie  selber  arbeiten  sollten.  Auch  diese
konnten  der  Natur  der  Sache  nach  nur  die  geringere  Zahl  sein.
Die  Mehrheit  war  Gesindel  aller  Art,  einer  bleibenden  Stätte
und  der  Arbeit  ungewohnt.  Dennoch  mochten  sie  vielleicht  sich
erhalten,  so  lange  die  geschenkten  Vortheile  vorhielten  und  die  Zeit
der  Freijahre  dauerte.  Dann  war  es  aus  und  vorbei.  Sie  wurden
  durch  Bettelei  und  Diebstahl  der  Schrecken  der  Nachbarschaft.
Der  Satz  der  Gewissensfreiheit  wurde  für  sie  praktisch  die  Freiheit
von  aller  Theilnahme  an  den  Wohlthaten  der  Kirche  und  Schule.
Sie  wurden  selig  nach  eigener  Fagon.  So  wurchsen  die  Kinder
empor  zu  demselben  Jammerleben,  welches  die  Eltern  führten.  Sie
wurden  geboren  als  Vagabunden,  sie  lebten  als  Vagabunden,  sie
starben  als  Vagabunden.  Manche  Colonisten  auch  machten  dies
Verfahren  mehr  als  einmal  durch.  Sie  verließen  ihre  Hütten  und
wanderten  in  eine  andere  Provinz  des  Königs,  um  dort  abermals

1)  Dohm  IV.  391.  Des  Verfassers  Geschichte  von  Ostfricsland  unter  preuß.
Regierung  S.  130.