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als  Colonisten  sich  ansetzen  zu  lassen.  Dohm  erinnert  sich  Colonistendörfer
  gesehen  zu  haben,  20  Jahre  nach  der  Einrichtung,  wo
er  in  manchen  dieser  Häuser  schon  das  vierte  den  vorangegangenen
Generationen  ganz.  fremde  Geschlecht  fand.  )  Noch  bis  auf  den
heutigen  Tag  sind  die  Spuren  dieser  einstigen  Colonisirungen  wohl
erkennbar.

Wußte  der  König  nicht,  was  da  geschah?  Wenn  er  zur  Zeit
der  Musterung  seines  Heeres  diese  neuen  Pflanzungen  besichtigte:
so  wurde  die  Veranstaltung  getroffen,  daß  diese  Colonisten  in  entlehnter,
  sauberer  Kleidung  sich  häufig  an  der  Landstraße  zeigten,
und  zwar  in  voller  Arbeit  bei  der  Bestellung  des  Feldes.:)  Man
reichte  dem  Könige  Listen  und  Tabellen  ein.  3)  Die  einmal  angesetzten
  Colonisten  wurden  in  denselben  immer  als  bestehend  aufgeführt,
  wenn  gleich  die  ersten  Bewohner  längst  sich  verlaufen
hatten.  Es  ist  die  einstimmige  Ansicht  aller  Lobredner  des  Königs,
daß  er  niemals  hinter  die  Wahrheit  gekommen  sei.  Der  König
wollte  einmal  Colonisten.  Er  sah  sie  als  ein  vorzügliches  Mittel
zur  Beförderung  der  Population  an.  Sein  Wille  höchst  persönlich
  allein  bestimmte  den  Staat.  Wo  er  ein  solches  Mittel  als
heilsam  ansah,  da  galt  kein  Widerspruch,  sondern  nur  Gehorsam,
und  als  der  Klügste  erschien  derjenige,  welcher  vollaus  zu  segeln
wußte  mit  Wind  und  Strom.

Friedrich  glaubte  in  der  That  alles  selbst  zu  regieren.  Weil
er  sich  an  geistiger  Befähigung  den  Menschen  um  ihn  her  überlegen
  fühlte,  weil  er  an  Arbeitskraft  und  Arbeitslust  unter  den
Zeitgenossen  kaum  seines  Gleichen  hatte:  so  meinte  er  von  seinem
erhabenen  Standorte  aus  durch  alle  Nebel  der  natürlichen  Vorurtheile,
  der  schlauen  Unwahrheit  dennoch  klaren  Auges  hinabblicken
zu  können  bis  auf  den  tiefsten  Grund,  in  das  tägliche  Getreibe

–..

1)  a.  a.  O.  392.  —  2)  Fischer:  Geschichte  Frichr.  II.  Bd.  I.  S.  280.  —
3)  Dehm  a.  a.  O.