Behnter  Abschnitt.

Der  König  wohnt  auf  der  Höhe,  die  bei  Potsdam  terrassenförmig
  ansteigt,  in  einem  einstöckigen,  mäßigen  Schlosse,  das  man
Sans-Souci  genannt.  Es  ist  noch  die  Zeit,  wo  er  sich  einen
Philosophen  nennt.  Später  spielt  der  Name  des  Einsiedlers  durch
denjenigen  des  Philosophen  herdurch,  bis  er  in  Wort  und  That  die
Oberhand  gewinnt.  Gelöst  freilich  hatte  sich  der  König  längst  von
den  gewöhnlichen  Banden  des  Blutes  und  der  Verwandtschaft.

Nach  dem  Tode  seines  Vaters  wies  er  seiner  Frau  Schönhausen
  als  Wohnsitz  an.  Einmal  in  seinem  Leben  hat  er  dasselbe
betreten,  seine  Frau  hat  seine  Wohnung  nie  gesehen.  Doch  wechselten
  sie  Briefe,  kalt  und  herb  von  seiner  Seite,  mild  und  würdig
von  der  ihrigen.  Einer  der  schrecklichsten  Briefe,  die  er  ihr  geschrieben,
  ist  1745  aus  dem  Lager  bei  Soor.  Dort  war  der
zwanzigjährige  Bruder  der  Königin  im  Dienste  Friedrichs  gefallen.
Der  Brief")  lautet:  Madame,  vous  saurez  apparemment  ce  qui
s'est  passé  avant-hier.  Je  plains  les  morts  et  les  regrette.
Mes  freres  et  Ferdinand  se  portent  bien.  On  dit  le  prince
Louis  blessé.  Je  suis  avec  bien  de  T’estime  etc.  „Ich  bin  an  seine
Weise  gewöhnt,"  schreibt  die  Königin  an  ihren  Bruder  Ferdinand;
„aber  das  schützt  mich  nicht  sie  zu  fühlen,  besonders  bei  einer  Ge-1)

  Oeuv.  XXVI.  23.