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auch  nur  gemildert?  Oder  hätte  sie  vielleicht  das  Letztere  doch
gethan?  Wir  wissen  es  nicht.  Für  uns  enthalten  jene  Denkwürdigkeiten
  nicht  die  reine  Wahrheit,  sondern  die  Wahrheit,  wie  dieselbe
in  der  Seele  der  Markgräfin  sich  spiegelt.  Und  darum  üÜberlassen
wir  ihr  Urtheil  über  ihren  Bruder  ihr  selbst,  und  begnügen  uns
mit  dem,  was  thatsächlich  gewis  und  unzweifelhaft  ist.

Der  König  lebt  zu  Sanssouci.  Niemand  steht  dort  ihm  nahe,
als  seine  selbstgewählte  Gesellschaft,  die  von  ihm  abhängig  keinen
anderen  Willen  haben  kann,  als  den  seinigen.  Es  sind  vor  allen
Dingen  Franzosen,  die  er  Philosophen  nennt.  Ein  hauptsächlicher
unter  ihnen  in  der  ersten  Zeit  ist  la  Mettrie,  der  Anspruch  zu
haben  schien  auf  die  Schule  der  Cyniker  und  Hedoniker  zugleich.
„Er  ist  an  einem  Scherze  gestorben,“  sagt  Friedrich,)  „weil  er
eine  ganze  Fasanenpastete  aß.“  „La  Mettrie  wird  bedauert,“  meint
er  dann,  „von  allen  denen,  welche  ihn  gekannt  haben.  Er  war
fröhlich,  ein  guter  Teufel,  guter  Arzt  und  schlechter  Schriftsteller.“
In  Wahrheit  scheint  Friedrich  der  Einzige  gewesen  zu  sein,  der  ihn
bedauert  hat.  Er  verfaßte  eine  Lobrede  auf  diesen  Mann,  und
ließ  sie  in  der  Akademie  vorlesen.

Ein  anderer  hauptsächlicher  dieser  Philosophen  war  Boltaire.
Es  war  dem  Könige  gelungen  diesen  Mann,  dem  so  lange  schon  er
den  Weihrauch  des  sogar  von  seinem  Standpunkte  aus  überschwenglichen
  Lobes  gestreut,  endlich  zu  sich  zu  ziehen,  ihn  täglich
bei  sich  unter  seinem  Dache  zu  haben.  Die  beiden  Philosophen
vertrugen  sich  sehr  schlecht.  Wozu  dient  es  Dinge  zu  erörtern,  die
schon  so  oft  beschrieben  sind?  Diese  gingen  sehr  weit.  Der  König
benennt  Voltaire  ins  Gesicht  mit  Namen,  wie  sie  im  Verkehr  der
Menschen  nur  eben  denkbar  sind.  Er  erklärt  ihn  reif  für  Ketten
und  Karre,  in  Briefen  an  seine  Schwester  auch  für  Galgen  und
Rad.  )  Der  eine  Philosoph  blieb  indessen  dem  anderen  nichts

1)  Oeuv.  XXV..  1.  p.  203.  —  2)  a.  a.  O.  p.  226.  April  1763.