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kein  Buch  solcher  Art  haben.  Er  kennt  Hartknoch  und  Pufendorf;
aber  er  betrachtet  sie  nur  als  Sammler  von  Thatsachen.  Auch  Lockel
rechnet  er  nicht,  weil  man  dort  nach  hundert  Seiten  der  Langeweile
kaum  einmal  ein  interessantes  Ereignis  finde.  Es  sind  Handlanger,
sagt  er,  die  Material  zusammen  häufen,  bis  der  Architect  kommt
und  dasselbe  fügend  gestaltet.  Schon  unter  Friedrich  I.  hat  man
das  Bedürfnis  eines  solchen  gefühlt,  aber  nicht  vermocht  es  zu  befriedigen.
  Da  der  König  diese  Bahn  leer  findet:  so  will  er  selbst
sie  betreten.  „Ich  schöpfe  aus  den  besten  Quellen,“  sagt  er:  „zuerst
  aus  Cäsar  und  Tacitus,  dann  aus  der  Chronik  von  Lockel,
aus  Pufendorf  und  Hartknoch,  insbesondere  aber  beruhen  meine
Denkwürdigkeiten  auf  den  Nachrichten  und  Zeugnissen  im  königlichen
  Archiv.  Ungewisse  Dinge  habe  ich  als  ungewis  berichtet,
wo  Lücken  waren,  habe  ich  Lücken  gelassen.  Mein  Grundsatz  war
alles  unparteilich  und  mit  philosophischem  Auge  zu  betrachten.“
Man  sieht,  obwohl  diese  Geschichte  nur  den  Namen  der  Denkwürdigkeiten
  des  Hauses  Brandenburg  trägt,  tritt  sie  doch  nicht
ohne  Ansprüche  auf.  Uns  Späteren  springt  eine  große  Gefahr
für  die  Absicht  der  Unparteilichkeit  des  Königs  leicht  in  die  Augen.
Es  scheint  uns,  daß  doch  zuweilen  einmal  in  dem  Könige  sich  die
Frage  erheben  mußte,  ob  er,  der  so  entschieden  mit  der  Tradition
seiner  Vorfahren  gebrochen,  wegen  dieses  Verhältnisses  nicht  leicht
in  Versuchung  kommen  konnte  seine  Anschauungen  zurück  zu  tragen
auf  seine  Vorgänger,  ihnen  Ansichten  beizumessen,  welche  allerdings
er  in  ihrer  Lage  gehabt  haben  würde,  sie  dagegen,  die  in  einer  anderen
  Zeit  wurzelten,  mit  anderen  Gesinnungen  erwachsen,  ohne
alle  Voltairianische  Philosophie  nicht  haben  konnten.  Wenn  der
König  dies  Bedenken  hatte:  so  hat  er  es  wenigstens  nicht  ausgesprochen.
  „Ich  habe  mich  erhoben  über  alle  Vorurtheile,“  ruft  er
in  der  Widmung  dem  Prinzen  von  Preußen  zu.)  Das  Wort  ist

1)  Oeuv.  I.  XIIV.