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kühn  für  einen  Menschen.  Doch  vertheidigt  er  sich  in  einer  anderen
Beziehung,  die  uns  merkwürdig  erscheint,  nämlich  warum  er  die
Geschichte  seiner  Vorfahren  französisch  schreibe.  Er  meint,  das  sei
nicht  sonderbarer,  als  wenn  ein  Römer  zu  Ciceros  Zeiten  griechisch
geschrieben  hätte.  Es  mag  sein;  aber  diese  Römer  schrieben  die  Geschichte
  ihres  Staates  nicht  griechisch,  sondern  römisch,  nicht  bloß  in
Worten,  sondern  auch  in  Geist  und  Sinn.  Und  in  dieser  Beziehung
mochte  auch  das  äußere  Gewand  der  Geschichte  Friedrichs  zu  dem
Inhalte  passen.  ·

Die  früheren  Häupter  des  Hauses  Brandenburg  sind  leicht
skizzirt.  Erst  von  der  Reformation  an  geht  der  König  etwas  näher
ein.  „Wenn  man  diese  Bewegung,“  meint  er,  )  „auf  ihre  einfachen
  Prinzipien  zurück  führen  will:  so  war  sie  in  Deutschland
das  Werk  des  Interesses,  in  England  der  Liebe,  in  Frankreich  der
Neuheit  oder  vielmehr  eines  Liedes.  Denn  Calvin  hat  ein  Lied
oder  ein  Vaudeville  verfaßt,  dessen  Refrain  war:  O  moines,  o
moines,  il  vous  faut  marier.“  „Man  muß  nicht  annehmen,“
fährt  er  in  derselben  Auffassung  der  Dinge  fort,  „daß  Huß,  Luther,
Calvin  überlegene  Geister  waren.  Es  geht  mit  Sektenhäuptern  wie
mit  Gesandten.  Oft  gelangen  mittelmäßige  Köpfe  zum  Ziele,  wenn
nur  die  Umstände  günstig  sind.  Die  Zeit  der  Unwissenheit  war
geeignet  für  die  Herrschaft  der  Fanatiker  und  Reformatoren.  In
unserer  Zeit  haben  metaphysische  Spitzfindigkeiten  ihren  Reiz  verloren,
  und  seitdem  in  den  protestantischen  Ländern  die  Geistlichen
nichts  mehr  verlieren  können,  haben  auch  neue  Sektenhäupter  nichts
mehr  zu  gewinnen.  Kurfürst  Joachim  II.  erlangte  durch  die  Communion
  unter  beiderlei  Gestalt  die  Bisthümer  Brandenburg,  Havelberg
  und  Lebus.“

Einen  seltsamen  Streit  der  Meinungen  finden  wir  in  dem
Könige  bei  der  Besprechung  des  dreißigjährigen  Krieges.  Es  sagte

1)  Oeuv.  I.  p.  18.