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dem  Philosophen  Voltaire  und  seinen  Zeitgenossen  ganz  besonders
zu  alle  Kriege  in  und  nach  der  Reformationszeit,  bei  welchen  nur
jemals  die  Religion  den  Mächtigen  als  Vorwand  zur  Bethörung
des  armen  Volkes  gedient  hatte,  laut  und  oft  als  Religionskriege
zu  proklamiren.  Das  hatte  seinen  guten  Grund.  Denn  je  schwärzer
und  dunkler  die  positiven  Religionen  dargestellt  wurden:  desto  lichter
und  strahlender  hob  sich  die  Art  von  Philosophie  empor,  welche  jene
alle  auf  gleiche  Weise  verachtete  und  verspottete.  Friedrich  II.  war
darum  ganz  unbedenklich  der  Ansicht,  daß  der  dreißigjährige  Krieg
ein  Religionskrieg  gewesen  sei.  Nur  einen  Mann  nahm  er  davon
  aus,  und  zwar  denjenigen,  der  am  lautesten,  eifrigsten,  nachdrücklichsten
  den  Religionskrieg  proclamirt  hatte:  den  König  Gustav
Adolf  von  Schweden.  1)  Die  Gründe  und  Vorwände  Gustav  Adolfs
zum  Kriege  bezeichnete  Friedrich  II.  als  frivol.  Er  stellte  sie  auf
gleiche  Linie  mit  denjenigen  Karls  II.  von  England  im  Jahr  1672
gegen  Holland.  Der  König  Karl  erklärte  den  Holländern  den
Krieg,  weil  ein  Beamter  des  Staates,  der  Pensionaris  de  Witt,
in  seinem  Hause  ein  Gemälde  besitze,  das  für  den  König  von  England
  zur  Unehre  gereiche.  Ist  es  Recht,  ruft  Friedrich  aus,  für
solche  Dinge,  wie  Gustav  Adolf  sie  vorbrachte,  das  menschliche
Geschlecht  dem  Blutvergießen  zu  weihen,  um  den  Ehrgeiz  und  die
Laune  eines  einzigen  Menschen  zu  befriedigen?

Wir  dürfen  annehmen,  daß  Friedrich  II.,  als  er  diese  Worte
niederschrieb,  augenblicklich  an  seinen  ersten  schlesischen  Krieg  nicht
gedacht  habe.  Auch  war  dabei  der  Unterschied,  daß  die  ersten  Angriffe
  Gustav  Adolfs  in  Wahrheit  dem  Kurfürsten  von  Brandenburg
  gegolten  hatten.  Gustav  Adolf  entriß  demselben  zunächft  das
rechtmäßige  Erbe,  das  Herzogthum  Pommern.  Er  zwang  ihn  dann
zur  Bundesgenossenschaft  wider  das  eigene  Interesse.  Denn  der
etwaige  Sieg  des  Schweden,  zu  welchem  Georg  Wilhelm  mithelfen

1)  a.  a.  O.  35.