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Friedrich  setzt  hierbei  voraus,  daß  unter  allen  Umständen  der
Natur  der  Sache  gemäß  Sachsen  zu  Oestreich  halte;  denn  ein
Krieg  mit  einer  anderen  Macht  als  Oestreich  kommt  ihm  selten
oder  geradezu  niemals  in  den  Sinn.

„Ich  spreche  übrigens  nicht  von  unseren  Rechten  auf  Anspach,
Jülich,  Berg,  auf  Mecklenburg,  weil  das  bekannte  Dinge  sind,
deren  Verwirklichung  man  abwarten  muß.  Da  der  Staat  nicht
reich  ist,  so  muß  man  durchaus  sich  hüten  sich  in  Kriege  einzulassen,
  bei  denen  nichts  zu  gewinnen  ist.  Denn  man  erschöpft  sich
gar  leicht  mit  offenbarem  Verluste,  und  wenn  dann  eine  gute
Gelegenheit  käme:  so  könnte  man  sie  nicht  benutzen.  Alle  entfernten
  Erwerbungen  sind  eine  Last  für  den  Staat.  Ein  Dorf
auf  der  Grenze  ist  mehr  werth  als  ein  Fürstenthum,  das  60
Meilen  entfernt  ist.  Es  liegt  uns  die  Pflicht  ob  sorgfältig  diese
ehrgeizigen  Plane  zu  verhehlen,  dagegen,  wo  man  kann,  den  Neid
Europas  gegen  andere  Mächte  zu  erwecken,  um  unter  der  Gunst
dieses  Neides  solche  Streiche  auszuführen.  Dies  kann  eintreten.
Das  Haus  Oestreich,  dessen  Ehrgeiz  mit  offenem  Angesichte  einher
schreitet,  wird  nicht  verfehlen  sich  die  Eifersucht  und  den  Neid  der
großen  Mächte  Europas  zu  erwecken.  Das  Geheimnis  ist  eine
wesentliche  Tugend  sowohl  für  die  Politik,  wie  für  die  Kriegeskunst.“

Wenn  auch  dieses  politische  Streben,  welches  Friedrich  II.
seinem  Hause  hinterlassen  will,  nicht  gerade  als  ein  rechtschaffenes
bezeichnet  werden  dürfte:  so  wird  man  doch  anerkennen  müssen,
daß  die  Offenheit,  mit  welcher  er  es  seinen  Nachfolgern  empfiehlt,
für  uns  Spätere  ein  helleres  Licht,  als  bislang  auf  die  schauerlichen
  Ereignisse  wirft,  welche  man  den  siebenjährigen  Krieg  nennt.

Als  der  wahre  Grund  des  Krieges  erscheint  mithin,  daß  der
preußische  König  Friedrich  II.  das  Sachsenland  sich  aneignen  wollte.
Daß  er  noch  nach  anderen  Dingen  trachtete,  ist  möglich  und  wahrscheinlich;
  doch  dürfen  wir  nur  auf  seine  eigenen  Worte  Gewicht
legen.  Er  hat  nun  1756  offenbar  gedacht,  daß  er  bei  einem  solchen