245

ihn  einen  großen  politischen  Fehler  begehe,  stand  so  fest  in  Friedrichs
  Seele,  daß  er  nicht  ablassen  konnte  von  der  Hoffnung,  es  werde
möglich  sein  dieses  Bündnis  zu  zersprengen.  Wenn  Frankreich  sich
lossagte:  so  folgten  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  auch  Schweden
und  Rußland.  Allein  wie  war  das  möglich  zu  machen?  Friedrich
vertraute  sich  seiner  Schwester  von  Baireuth  an.1)  Er  forderte
gleich  nach  der  Schlacht  von  Kollin  sie  auf  nachzuforschen,  ob  sich
die  Franzosen  über  Bedingungen  des  Friedens  erklären  wollten,
damit  man  wissen  könne,  was  sie  vorhaben  und  ob  mit  ihnen
etwas  zu  machen  sei.  Er  gibt  seiner  Schwester  Vollmacht  für  seine
gute  Stimmung  gegen  die  Franzosen  zu  bürgen.  Vielleicht  wird
man  erfahren  können,  meint  er,  ob  der  Vertrag  wirklich  besteht,
den  sie  mit  Oestreich  gemacht  haben  sollen,  und  wenigstens  wird
man  nach  ihren  Vorschlägen  urtheilen,  was  im  Falle  der  Noth
von  ihnen  zu  erwarten  ist.

Wir  sehen,  daß  der  König  auch  damals,  mitten  im  Sommer
1757,  noch  nicht  weiß,  welche  Absichten  Frankreich  und  Oestreich
gegen  ihn  haben.

Die  Markgräfin  war  erbötig  die  Friedensversuche  am  Hofe
zu  Versailles  zu  übernehmen.  Friedrich  wies  sie  an  zu  diesem
Zwecke  den  Herrn  von  Mirabeau  nach  Frankreich  zu  schicken.  Er
ermächtigte  sie  der  Pompadour  bis  zu  einer  halben  Million  Thaler
bieten  zu  lassen,  ja  selbst  darüber  hinaus  zu  gehen,  wenn  man
zugleich  die  Pompadour  bewegen  könne  ihm  einige  Vortheile  zu
verschaffen.  Nur  müsse  die  größte  Vorsicht  obwalten;  denn  die
geringste  Ahnung,  die  man  in  England  davon  erhalte,  werde
alles  verderben.  Friedrich  begnügt  sich  nicht  mit  den  Schritten
seiner  Schwester.  Er  selbst  schickt  ein  Bouquet  und  schreibt  einen
Brief  dazu  an  eine  Madame  Therese  2)  in  Paris.  „Sie  ist  weder
eine  spanische  Heilige,  noch  stolz  wie  die  deutsche  Therese,  sondern

1)  Oeuv.  XXVII.  1.  293.  —  2)  Oeuv.  XVI.  343.