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In  Wahrheit  bestand  ja  das  ganze  Unglück  darin,  daß  der
Preußenkönig  eine  Provinz  herausgeben  sollte,  zu  deren  Erwerbung
  er  die  Gunst  der  Umstände  nicht  in  einer  ehrenhaften  Weise
benutzt  hatte.  Und  dennoch  ist  es  begreiflich,  wie  Friedrich  durch.
diese  Standhaftigkeit  bei  seinen  Anhängern  auch  da  Bewunderung
hat  erregen  können,  wo  wir  moralisch  und  patriotisch  ihn  hart
anklagen  müssen.  Man  muß  die  Lage  betrachten,  in  welcher  er
sich  damals  im  October  1757  befand,  und  nicht  die  baldige  Wendung
  derselben,  welche  er  damals  nicht  vorhersehen  konnte.

Denn  das  Unglück  für  ihn  hatte  einstweilen  sich  erschöpft,
und  das  an  Wechselfällen  reiche  Jahr  ließ  eine  andere  Sonne  ihm
emporsteigen.  Friedrich  schlug  am  5.  November  bei  Roßbach  die
Reichstruppen  und  die  Franzosen.

Wie  so  seltsam  verknüpfen  sich  die  Neigungen  und  Abneigungen
  der  Menschen!  Auf  den  Feldern  von  Roßbach  stritten  Deutsche
mit  Franzosen  gegen  andere  Deutsche.  Es  war  das  erste  Mal,  daß
Friedrich  II.  gegen  Andere  als  deutsche  Truppen  schlug.  Es  waren
Franzosen.  Er  that  es  nicht  gern.  Er  hätte  wohl  lieber  ein  Treffen
mit  den  Franzosen  vermieden;  denn  er  lebte  noch  immer  der  Hoffnung,
  daß  der  französische  Hof  umlenken  würde  von  der  thörichten
Politik  gegen  den  preußischen  König  1).  Er  wollte  die  Reichstruppen
schlagen,  und  konnte  nicht  umhin  zugleich  die  Franzosen  mit  zu
schlagen.  Er  selbst  gibt  das  ganze  ihm  gegenüberstehende  Heer  auf
63,000  Mann  an,  die  Franzosen  davon  auf  20  Bataillone  und  14
Schwadronen.  Er  sträubt  sich  den  Sieg  allzusehr  zu  erhöhen.  Nicht
einmal  beutet  er  ihn  aus  2).  „Hätte  der  Feind,“  sagten  die  Franzosen,
  „nachdem  er  uns  geworfen,  uns  lebhaft  verfolgt:  so  würde  er
unsere  ganze  Armee  vernichtet  haben.  Er  hat  es  ohne  Zweifel  nicht
gewollt,  und  es  ist  gewis,  daß  der  König  von  Preußen  Befehle
gegeben  unsere  Leute  zu  schonen,  dagegen  die  Deutschen  zu  zermalmen.
Seine  Husaren  haben  mehre  von  unseren  Leuten  zurückgeschickt.“
1  Ceuv.  XXVI.  1.  p.  310.  2)  Preuß.  II.  97.