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wie  dieser  selbe  Mann  gerade  dreißig  Jahre  zuvor  zugleich  an
seinen  Vater  und  an  Grumbkow  über  die  beabsichtigte  Heirath
zwei  verschiedene  Briefe  schrieb.  Nur  die  Personen  haben  sich  geändert,
  gegen  die  er  handelt:  das  Wesen  ist  dasselbe.

Der  Prinz  Heinrich  sieht  unverkennbar  die  Dinge  kühler  an,
als  der  leichter  erregte  König.  Eine  Zeitlang  scheinen  die  Hoffnungen
  Friedrichs  in  Erfüllung  zu  gehen.  Russen  und  Schweden
schließen  mit  ihm  Frieden.  Ein  russisches  Hülfscorps  stößt  zu  ihm.
Schon  sendet  der  Chan  der  Tartaren  26,000  Mann  vorans  nach
Ungarn,  um  selbst  mit  100,000  Mann  zu  folgen.  1)  Auch  die
Türken  kommen.  Nach  Friedrichs  Ansicht  muß  die  Kaiserin  ihnen
60,000  Mann  entgegen  stellen.  Aber  schon  am  12.  Septbr.  meldet?)
der  König  seine  Besorgnis,  daß  der  Prinz  Heinrich  dennoch  Recht
habe  auf  die  Türken  nicht  zu  vertrauen.  Sie  kommen  nicht.  Inzwischen
  ist  in  Petersburg  der  Umschlag  geschehen.  Katharina  II.
hat  ihren  Gemahl  Peter  entthront  und  ermorden  lassen.  Sie  ist
sogar  anfangs  geneigt  sich  wieder  feindlich  gegen  Friedrich  II.  zu
stellen.  Doch  scheint  dies  mehr  eine  vorübergehende  Nachgiebigkeit
gegen  die  Volksstimmung  gewesen  zu  sein,  weil  auch  das  auffallende
  Benehmen  Peters  in  dieser  Kriegessache  ihr  als  ein  Vorwand
  zum  Aufruhre  hatte  dienen  müssen.  Sie  erkannte,  daß  der
preußische  König  ihr  gute  Dienste  leisten  könne,  und  meldete  ihm
bald,  daß  sie  den  Frieden  halten  wolle.  Schon  am  30.  Juli
konnte  Friedrich  seinem  Bruder  schreiben:  „Das  gute  Verständnis
zwischen  mir  und  diesem  Hofe  wird  dauernd  sein.“  In  welcher
Weise  es  das  war,  werden  wir  später  ersehen.

Die  Welt  war  kriegesmüde.  Als  politischer  Körper  bezahlte
hauptsächlich  Frankreich  den  Krieg  durch  seine  ungeheuren  Verluste
an  England,  und  dann,  wie  immer,  das  deutsche  Reich.  Hier  vor
Allem  wurde  der  Ruf  nach  Frieden  laut.  Um  denselben  eindring-1)

  Oeuv.  XXVI.  247.  —  2)  a.  a.  O.  255.