288

Bündnis  auch  später  bei?  —  Wir  haben  die  leitende  Ansicht  der
Franzosen  aus  einem  Aufsatze  zu  holen,  den  der  Minister  Vergennes
  einige  Jahre  später  für  den  jungen  König  Ludwig  XVI.
verfaßte.  )  „Die  Allianz  mit  Oestreich,“  sagt  er,  „hat  keinen
weiteren  Nutzen  für  Frankreich,  als  daß  sie  die  Ruhe  auf  dem
Festlande  von  Europa  sichert,  und  uns  erlaubt  unsere  Kräfte  gegen
England  zusammen  zu  halten.  Es  ist  jedoch  große  Vorsicht  nöthig,
daß  Oestreich  nicht  diejenigen  unterdrücke,  an  deren  Erhaltung
Frankreich  gelegen  ist,  besonders  Preußen  und  die  protestantische
Partei  in  Deutschland.  So  wenig  auch  der  jetzige  König  von
Preußen  wegen  seiner  Moral  Achtung  verdient  und  Vertrauen  einflößen
  kann:  so  ist  es  doch  sehr  wichtig,  daß  er  in  den  Verhältnissen,
  in  welchen  er  jetzt  steht,  erhalten  werde.  Er  muß  uns  dazu
dienen  diesem  Staate  Oestreich  Besorgnisse  einzuflößen  und  dem
Ehrgeize  desselben  die  Schranken  zu  setzen,  die  ihm  den  Beistand
Frankreichs  zu  einem  Bedürfnisse  machen.“  -

Wir  glauben  nicht  zu  irren,  indem  wir  diese  Worte  als  charakteristisch
  für  die  fernere  Stellung  Frankreichs  gegen  Deutschland
bezeichnen.

Auch  auf  die  Türken  setzt  Friedrich  II.  noch  einige  Hoffnung.
Im  Jahre  1763  sind  Gesandte  derselben  in  Berlin.  Der  König
verspottet  die  Berliner,  welche  die  Armseligkeiten  dieser  Türken
nachahmen.“)  Die  Stadt,  meint  er,  hat  das  Wenige  von  Verstand
  verloren,  das  sie  noch  besaß.  Die  Weiber  wollen  alle  türkisirt
  sein,  und  die  jungen  Bursche  tragen  Turbane.  Das  Einzige,
was  sie  lernen,  ist  der  Anblick  eines  Menschen  in  langem  Gewande,
der  mit  einem  Turbane  bedeckt,  mit  untergeschlagenen  Beinen  auf
einem  persischen  Teppich  sitzt  und  Taback  raucht.  Das  füllt  die
Seele  eines  Pöllnitz  und  Genossen  aus.  Der  König  höhnt  weiter
über  die  Geschenke,  welche  die  Türken  bringen.  Zwölf  Ellen  Mous-1)

  Flassan:  diplomatie  française  14.  127.  —  2)  Oeuv.  XXVI  206.