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Gelegenheit  innerhalb  eines  Jahres  danach.  Schon  1766  hatte  er
mit  dem  neuen  Kaiser  Joseph  II.  nach  dem  Wunsche  desselben  in
Torgau  zusammen  kommen  wollen.  Die  Gesinnung,  mit  welcher
Friedrich  einer  solchen  Zusammenkunft  entgegen  ging,  zeichnet
er  uns  selbst  mit  den  Worten::1)  „Das  Ergebnis  wird  ein  verbrauchtes
  Wortgeklingel  höflicher  Phrasen  sein,  an  welches  die
Fürsten  gewöhnt  sind,  ohne  demselben  Glauben  beizumessen.“  Im
Jahre  1770  fand  die  Zusammenkunft  der  beiden  Fürsten  zu  Neustadt
  in  Mähren  Statt,  bei  welcher  auch  Kaunitz  zugegen  war.
Dieser  Staatsmann  schilderte:)  lebhaft  die  Gefahr,  welche  aus
dem  Uebergewichte  Rußlands  für  Europa  zu  erwarten  sei,  und
wandte  alles  an,  um  den  König  zu  überzeugen,  daß  nur  eine  enge
Verbindung  zwischen  Oestreich  und  Preußen  diese  drohende  Gefahr
abzuwenden  vermöge.  Wir  sehen,  wie  dieser  kaiserliche  Minister
die  wahrhaft  national  deutsche  Politik  vertrat.  Kaunitz  erklärte
nie  zugeben  zu  können,  daß  Rußland  die  Moldau  und  die  Walachei
  erwerbe.  Friedrich  II.  gestand  das  zu,  erklärte  jedoch  offen,
daß  er  in  nichts  eingehen  könne,  was  seiner  Verbindung  mit  der
russischen  Kaiserin  entgegen  sei.

Deshalb  zahlte  der  König  die  tractatenmäßigen  Subsidien  an
Rußland  fort,  erlaubte  seinen  Offizieren  im  Heere  der  Russen  zu
dienen,  und  versprach,  wenn  Oestreich  sich  einmische,  seinen  kräftigen
  Beistand.  Um  nicht  abermals  den  allgemeinen  Kriegesbrand
zu  entzünden,  leistete  Oestreich  unter  solchen  Umständen  den  von
Katharine  II.  mishandelten  und  zertretenen  Polen  keine  Hülfe.

Wir  haben  die  Natur  dieses  Bündnisses  mit  Katharine  II.
noch  näher  zu  betrachten.  Sie  ergibt  sich  uns  klarer  aus  dem
Verhalten  gegen  Schweden.  Wir  haben  gesehen,  wie  die  Theilnahme
  dieses  Reiches  am  siebenjährigen  Kriege  dem  Könige  höchst
unerwartet  kam.  Sie  war  das  Werk  der  Oligarchen,  die  im  Solde

1)  Oeuv.  XXVI  p.  300.  22.  Junl  1766.  —  2)  Dehm  I.  455.