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müssen.“  Das  heißt  also:  Katharine  II.  hatte  über  Krieg  und
Frieden  für  die  Unterthanen  des  Königs  von  Preußen  zu  bestimmen.

Andere  Dinge  indessen  waren  im  Gange  und  damals  der
völligen  Verwirklichung  nahe.  Katharine  war  1770  siegreich  in
Polen  und  gegen  die  Türken.  Schon  meinte  Friedrich  selbst:  die
russische  Czarin  könne  den  Krieg  und  ihre  Siege  nicht  fortsetzen,
ohne  den  Rubicon  zu  überschreiten  d.  h.  ohne  Oestreich  zum  thätigen
  Eingreifen  zu  bewegen.  Der  Uebermuth  der  Russen  ist  selbst
ihm  zu  viel.  1)  Katharine  will  allerdings  Frieden  machen;  aber
ihre  Forderungen  sind  derartig,  daß  Friedrich  II.  sie  in  Wien  und
Constantinopel  gar  nicht  einmal  mitzutheilen  wagt.  Er  hat  damals
  seinen  Bruder  Heinrich  nach  Petersburg  geschickt,  um  für  den
Frieden  zu  wirken.  Die  Briefe,  die  der  König  an  seinen  Bruder
richtet,  sind  von  zweierlei  Art,  je  nachdem  sie  zum  Vorzeigen  bestimmt
  sind,  oder  nicht.  Merkwürdig  ist,  daß  der  König  in  den
Briefen  beider  Art  Europa  und  Rußland  unterscheidet.  Er  meldet
nach  Petersburg  Nachrichten  aus  Europa.

In  den  vertrauten  Briefen  an  den  Prinzen  nennt  der  König
Rußland  Schythien.  :)  Er  betrachtet  seinen  Bruder  dort  wie  Pythagoras
  oder  Plato,  die  bei  den  Seythen  und  anderen  barbarischen
Völkern  reisten,  um  die  Geheimnisse  der  Natur  zu  erforschen  und
sich  Kenntnisse  zu  sammeln.  „Diese  Kenntnisse  mögen  wunderbar
sein,“  meint  er;  „aber  alle  Schätze  der  Welt  brächten  mich  nicht  dahin.
  Auch  die  gezähmtesten  Löwen  geben  oft  Beweise,  daß  der
Instinkt  ihrer  wilden  Natur  sich  nicht  zähmen  läßt,  und  ich  glaube,
daß  es  mit  den  Russen  auch  so  ist.“  Wir  sehen,  eine  eigentliche
Zuneigung  zu  den  Russen  hat  er  auch  damals  nicht.

Inzwischen  kamen  in  Petersburg  sonderbare  Dinge  zur  Sprache.)
Gegen  das  Ende  des  Jahres  1770  rückten  östreichische  Truppen  in
einige  Gegenden  von  Polen  ein.  Die  Kaiserin  Maria  Theresia

1)  a.  a.  O.  341.  —  2)  a.  a.  O.  347.  —  3)  Dohm  I.  A77.