299

erklärte  diese  Zipser  Gespanschaften  schützen  zu  wollen  gegen  die
Greuel  des  in  Poleh  ausgebrochenen  Bürgerkrieges.  Diese  Ver—
heerungen  waren  derartig,  daß  jeder  Schutz  willkommen  sein  mußte.)
Jeder  Strich  Landes,  in  welchem  russische  Heere  sich  befanden,  wurde
zur  Wüstenei  gemacht.  In  Folge  dessen  brach  eine  Pest  aus.  Sie
gab  dem  Könige  von  Preußen  den  Vorwand  auch  von  seiner  Seite
Truppen  einrücken  zu  lassen,  damit,  wie  es  hieß,  ein  Cordon  gegen
die  Pest  gezogen  werde.  Auch  diese  Preußen  verfuhren  wie  die
Russen.  Wir  haben  über  das  Verfahren  dieser  Preußen  einen
merkwürdigen  Bericht  von  einem  warmen  Anhänger  des  Königs.
Sie  nahmen,  also  berichtet  Dohm?)  den  Einwohnern  alle  Lebensmittel,
  Rindvieh,  Pferde,  zuletzt  auch  die  Jugend  beiderlei  Ge—
schlechtes  mit  Gewalt.  Die  jungen  Bursche  mußten  Kriegsdienste
thun,  die  Mädchen  von  den  Eltern  mit  Vieh,  Geld  und  Geräth
nach  Vorschrift  ausgesteuert  werden,  und  wurden  dann  in  preu—
ßische  Länder  an  Männer  verheirathet,  welche  sie  verlangten.  Dohm
fügt  hinzu:  man  hat  behaupten  wollen,  dies  sei  ohne  Wissen  des
Königs  geschehen.  Er  selbst  gibt  darauf  die  Antwort:  wer,  der
nur  irgend  einen  Begriff  von  Friedrichs  Regierungsweise  hat,  wird
das  glauben?  —

Es  scheint  uns  nach  den  Cabinetsordres  des  Königs,  )  daß
Dohm  in  diesem  Berichte  doch  zu  weit  gegangen  ist.  Die  betreffenden
  Offiziere  haben  die  Befehle  des  Königs  überschritten.  „In
Pomerellen,“  sagt  der  König  selbst,  „sollen  die  Bellingschen  Offiziere
dergestalt  hart  mit  den  Leuten  verfahren  sein,  daß  diesen  nicht  das
Brot,  geschweige  denn  das  Saatkorn  übrig  geblieben  ist.  Da  dies
meiner  Intention  keineswegs  gemäß  ist  und  der  General  Belling
dazu  keine  Vollmacht  hat:  so  sollen  die  Offiziere,  die  man  dabei
strafbar  befindet,  in  Arrest  gesetzt  werden.“  Wir  erfahren  weiter,

1)  Dohm  a.  a.  O.  —  2)  Dohm  S.  479.  —  3)  Preuß:  Urkundenbuch
V.  164  ff.