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Friedrich  II.  erfaßte  die  ersten  Andeutungen  nicht  mit  derselben
  Bereitwilligkeit,  wie  sein  Bruder  Heinrich.  Er  schildert  demselben
  die  Lage  der  Dinge.  „Die  Oestreicher,“  sagt  er,  „werden
nicht  in  die  Demüthigung  der  Pforte  willigen.  Deshalb  sehe  ich
zwischen  ihnen  und  den  Russen  einen  Krieg  voraus.  Ich  werde
neutral  bleiben;  denn  der  Krieg  ist  noch  zu  früh  für  uns.  Was
man  mir  da  in  Aussicht  stellt,  das  Bisthum  Ermeland,  ist  nicht
der  Mühe  werth.  Durch  Abwarten  werden  wir  stärker,  und  wenn
Rußland  und  Oestreich  sich  gegenseitig  erschöpfen:  so  ist  für  den
Neutralen  mehr  zu  gewinnen,  als  für  die  Kriegenden.“

Wir  sehen  hier  abermals  den  merkwürdigen  Familienzug  der
Politik  des  Hauses  Hohenzollern  durchschimmern,  der  unter  allen
verschiedenen  Persönlichkeiten  desselben  leicht  erkennbar  ist,  und
mehr  als  einmal,  und  öfter  als  nur  1795  und  1805,  unsägliches
Unheil  theils  verschuldet,  theils  nicht  abgewendet  hat.  Für  Friedrich
  II.  hat  die  Neutralitätspolitik  hier  noch  den  besonderen  Grund,
daß  er  Rußland  doch  auch  nicht  gern  allzu  groß  sieht.  „Ich  würde
einen  unverzeihlichen  politischen  Fehler  begehen,“  meint  er,  „wenn
ich  an  dem  Emporkommen  einer  Macht  arbeitete,  welche  ein  fürchterlicher
  und  schrecklicher  Nachbar  für  Europa  werden  kann.  Die  geheime
  Abneigung,  die  man  in  Oestreich  gegen  Rußland  hegt,  übertrifft
  alle  Vorstellung,  und  wenn  ich  es  sagen  darf:  so  bin  ich  es
allein,  der  dieselbe  zu  ersticken  sucht.“  That  er  denn  nicht  in
Wirklichkeit  das,  was  er  selbst  einen  politischen  Fehler  nennt?  Dann
wiederum  tritt  ihm  der  ihm  zugedachte  Antheil  an  der  Beute  vor
die  Seele.  „Der  Antheil  mit  Ermeland,“  meint  er,  „ist  so  gering,
daß  er  mich  nicht  für  das  Geschrei  entschädigen  wird,  das  die
Sache  erwecken  muß.  Polnisch  Preußen  würde  der  Mühe  werth
sein,  auch  selbst  ohne  Danzig;  denn  wir  würden  die  Weichsel  haben
und  freien  Verkehr  mit  dem  Königreiche  Polen.  Dafür  könnte  man
Geld  hergeben  und  selbst  reichlich.  Aber  wenn  man  Kleinigkeiten
mit  Hast  annimmt:  so  zeigt  das  den  Charakter  einer  Gier  und