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von  Kiow  statt  aller  Bibliothek  sich  an  einem  Gemälde  der  Bartholomäus-Nacht
  ergötze.  Der  König  erwiederte:  er  vermöge  nicht
dafür  zu  stehen;  aber  es  könne  doch  wohl  so  sein.  1)  Er  erörtert
diese  Möglichkeit.  Heinrich  III.  von  Frankreich  könne  das  Bild
haben  malen  lassen,  könne  es  als  ein  Zeichen  seiner  Rechtgläubigkeit
  dem  Bischofe  geschenkt  haben.  Dieser  Bischof  könne  das  Bild
seinen  Nachfolgern  hinterlassen  haben,  und  dieser  jetzige  Bischof,
wenn  es  in  seiner  Gewalt  stünde,  würde  nichts  Lieberes  thun,  als
eine  ähnliche  Metzelei  erneuen.  Der  Philosoph  d'Alembert  lobt  das
schöne  Gedicht,  in  welchem  die  Vernunft  durch  die  Imagination
niemals  beeinträchtigt  werde.  Daß  jedoch  der  kühne  Schwung  der
besonderen  licentia  poetica  seinen  Beifall  habe,  sagt  er  allerdings
  nicht.

Fortan  nahm  Friedrich,  der  sich  bis  dahin  gemäß  der  Verleihung
  des  Kaisers  an  seinen  Großvater  König  in  Preußen  geschrieben,
  den  Titel  König  von  Preußen  an.  2)  Doch  nicht  bei
seinen  Lebzeiten,  sondern  erst  nach  seinem  Tode  1797  wurde  dies
dem  kaiserlichen  Hofe,  am  Reichstage  und  sonst  bekannt  gemacht.

Es  war  die  dritte  Erwerbung,  die  Friedrich  II.  machte:  Schlesien,
  Ostfriesland,  und  nun  dies  Stück  von  Polen,  welches  fortan
Westpreußen  hieß.  Wegen  des  Widerspruches  von  England  und
Holland  hatte  er  Danzig  und  Thorn  nicht  mitbekommen  dürfen.
Aber  Friedrich  II.  wollte  namentlich  Danzig  doch  gern  haben.  Wie
war  das  zu  machen?  Das  einzige  Mittel  war  die  Danziger  so
lange  zu  quälen,  bis  sie  sich  gutwillig  fügten.  Die  Sperre  der
Schifffahrt  und  des  Handels,  die  Zollplackereien  führten  nicht  zum
gewünschten  Ziele.  Um  sie  bei  ihrem  fortdauernd  obstinaten  Betragen
  auf  mehr  biegsame  und  geneigte  Gedanken  zu  bringen,  meinte
der  König,  sei  es  das  geeignete  Mittel  den  Danzigern  den  Zugang
ihrer  Bedürfnisse  auf  eine  obzwar  entfernte,  dennoch  nachdrückliche

1)  Brief  des  Königs  vom  26.  Jannar  1772.  —  2)  Preuß.  IV.  56.