309

Ziel  nichts  Anderes  sein  konnte,  als  die  gegenseitige  Verbürgung
des  Friedens.  Friedrich  lehnte  denselben  ab.

Friedrich  fand,  daß  sein  Heer  durch  den  Krieg  sehr  gelitten
habe,  namentlich,  indem  bei  der  Noth  der  Umstände  bürgerlich  geborene
  Offiziere  Eingang  in  dasselbe  gefunden.  Es  war  seine
nächste  Sorge  dieselben  wieder  auszumerzen.  Sein  Grund  war,
daß  mit  wenigen  Ausnahmen  das  Gefühl  der  Ehre  dem  bürgerlich
Geborenen  fremd  sei.  Es  liegt  nahe,  daß  eine  solche  Ansicht  sich
vom  Haupte  aus  durch  die  Glieder  verbreitete.  Die  Offiziere  selbst
kleideten  dieselbe  auf  ihre  Weise  ein.  Einer  derselben,  1)  den  nicht
der  Vorwurf  von  Unkenntnis  in  wissenschaftlichen  Dingen  trifft,
sagt  uns:  „Eine  geringe  Beobachtung  lehrt,  daß  die  besseren  Classen
der  bürgerlichen  Stände  im  Ganzen  gar  nicht  einmal  auf  Muth
Anspruch  machen,  daß  sie  das,  was  davon  zeugt,  was  dahin  führt,
oft  sogar  lächerlich  finden,  und  in  ihren  Kindern  schon  zu  ersticken,
oder  diesen  doch  den  Soldatenstand  auf  alle  mögliche  Weise  zu
verleiden  suchen.  Und  wer  also  aus  dieser  Classe  in  den  Soldatenstand
  tritt,  erweckt  mit  einigem  Rechte  wenigstens  das  Vorurtheil
  gegen  sich,  daß  er  ein  ausgearteter,  ausgelassener  Mensch
sei.“  Ungeachtet  der  Verquickung,  welche  das  Verhältnis  in  dem
Auge  des  preußischen  Offiziers  erhalten  hat,  scheint  es  doch  ziemlich
genau  den  wahren  Thatbestand  wieder  zu  spiegeln:  nämlich  den,
daß  ein  scharfer  Gegensatz  zwischen  den  Offizieren  und  den  höheren
Ständen  des  bürgerlichen  Lebens  bestand,  ein  Gegensatz,  der  kaum
eine  gegenseitige  Achtung  aufkommen  ließ.  In  Wahrheit,  wie  kann
auch  noch  eine  Achtung  da  vorhanden  sein,  wo  ein  ganzer  Stand
dem  anderen  die  erste  und  unmittelbare  Eigenschaft  des  Mannes
abspricht:  Muth  und  Ehrgefühl?  Man  mag  die  Annahme  von
dem  Knechtssinne  des  deutschen  Bürgers  im  achtzehnten  Jahrhunderte
  so  hoch  treiben,  wie  man  wolle:  eine  solche  sittliche  Ver-1)

  v.  Blankenburg  bei  Mirabeau  u.  Mauvillon  Thl.  IV.  257.  n.  f.