Achtzehnter  Abschnitt.

Je  schärfer  Friedrich  II.  erkannte,  daß  der  Kaiserhof  zu  Wien
mit  Sorge  und  Spannung  die  emporstrebende  Macht  des  nordischen
  Kolosses  betrachtete:  desto  eifriger  war  er  bemüht  die  Kaiserin
Katharine  II.  durch  Entgegenkommen  und  durch  Gefälligkeiten  aller
Art  sich  geneigt  zu  erhalten.  Er  zahlte  regelmäßig  seine  Subsidien,
  wenn  man  so  den  Tribut  nennen  will,  von  einer  halben
Million.  Aber  er  war  auch  bereit  zu  anderen  Diensten.  Es  war
die  Politik  der  Czarin  die  Hände  in  deutsche  Angelegenheiten  zu
mischen.  Das  nächste  Mittel  im  Frieden  war  durch  Heirath  mit
deutschen  Fürstenfamilien  in  Verbindung  zu  treten.  Katharine  mochte
nicht  vergessen  haben,  daß  sie  auf  Friedrichs  Empfehlung  nach  Rußland
  gekommen  sei.  Er  erschien  auch  dies  Mal  als  geeignete
Mittelsperson,  und  sie  wandte  sich  für  ihren  Sohn  Paul  an  ihn
1772.  Auch  für  Friedrich  war  dies  eine  günstige  Gelegenheit.  Er
hatte  den  Prinzen  von  Preußen  mit  einer  Darmstädter  Prinzessin
verheirathet.  Es  waren  dort  noch  mehre  Schwestern.  Eine  Verschwägerung
  seines  Thronerben  mit  dem  künftigen  Kaiser  Paul
konnte  für  das  Bündnis  zwischen  Preußen  und  Rußland  sehr  nützlich
  sein.  Deshalb  wandte  er  sich  an  die  alte  Landgräfin  von
Darmstadt,)  nicht  an  den  Vater.

1)  Oeuv.  XXVIIL  2.  142.  fl.