352

fürst  werden  mich  bei  dieser  und  jeder  anderen  Gelegenheit  an  Leib
und  Seele  stets  bereit  finden  ihnen  die  Dienste  zu  leisten,  die  von
mir  abhangen  werden.“  Es  ist  die  Frage,  was  denn  dies  Mal
die  Dienste  an  Leib  und  Seele  betreffen.  Der  König  erstattet  sofort
  Bericht.  „Um  nicht  durch  Einleitungen  zu  ermüden,  sage  ich
zuerst  im  Allgemeinen,  daß  ich  Erfolg  gehabt  habe  in  dem  schwierigsten
  Theile  meiner  Unterhandlung,  die  sich  auf  den  Erbprinzen  von
Darmstadt  bezieht.  Ich  gestehe,  daß  er  mich  zu  Thränen  gerührt  hat.
Sein  Herz  war  voll  von  dem  unerwarteten  Tode  seiner  Schwester,
tief  gebeugt  durch  diesen  Verlust.  Also  sprach  er  zu  mir:  „„Ich
begreife,  daß  der  Großfürst  sich  schleunig  wieder  vermählen  muß.
Die  Partie,  welche  ihm  am  besten  zusagt,  ist  diejenige  meiner
Braut.  Ich  liebe  sie.  Ich  habe  gehofft  glückliche  Tage  mit  ihr
zu  verleben.  Allein  mehr  noch  liebe  ich  den  Großfürsten,  und  ich
bringe  ihm  das  Opfer  dar  der  Abtretung  meiner  Braut,  ja  mein
Leben  selbst  würde  ich  hingeben,  wenn  es  ihm  nützlich  sein  könnte.““
Nein,  Pylades  hat  nicht  mehr  für  Orestes  gethan,  und  Nisus  nicht
für  Euryalus.  Das  ist  ein  Beispiel  von  Anhänglichkeit  und  Freundschaft,
  welches  unserem  Zeitalter  Ehre  macht.“

Wir  unsererseits  glauben  annehmen  zu  dürfen,  daß  von  dem,
was  man  im  bürgerlichen  Leben  Ehrenhaftigkeit  nennt,  bei  den
betheiligten  Personen  doch  wohl  nicht  eigentlich  die  Rede  sein  kann,
weder  von  denjenigen,  welche  die  Forderung  stellten,  noch  von  denjenigen,
  welche  sie  erfüllten.  Aber  freilich,  Friedrich  II.  war  ja
bereit  der  Czarin  Katharine  zu  dienen  mit  Leib  und  Seele.

„Ich  habe  sogleich,“  fährt  er  fort,  „einen  Courier  an  unsere
Nichte  nach  Mömpelgard  geschickt,  um  ihr  Mittheilung  von  den
gnädigen  Absichten  der  Czarin  und  des  Großfürsten  über  die  Wahl
ihrer  Tochter  zu  machen.  Ich  habe  ihr  zugleich  bemerkt,  was  ich
mit  dem  Erbprinzen  von  Darmstadt  vereinbart  habe.  Ich  schmeichle
mir  von  dieser  Seite  nicht  auf  Schwierigkeiten  zu  stoßen,  auch  nicht
in  Betreff  der  Religion.  Der  Vater  katholisch,  die  Mutter  reformirt,