Neunzehnter  Abschnitt.

In  der  Czarin  Katharine  regten  sich  gewaltige  Plane.  Indem
  sie  in  den  Gefühlen  persönlicher  Ehre  und  der  Sitte  auch
dem  letzten  ihrer  Unterthanen  nachstand,  wollte  sie  an  großartigen
Unternehmungen  Peter  I.  übertreffen.  Sie  hatte  den  Thron,  auf
den  sie  persönlich  nicht  den  mindesten  Anspruch  hatte,  bestiegen
durch  Berbrechen  der  Nacht  und  des  Grauens.  Die  Klugheit  rieth
ihr  dieselben  zu  verdunkeln  durch  den  Glanz  und  den  Schimmer
weltbewegender  Thaten,  hauptsächlich  gegen  die  Türken.  Es  ist
wahrscheinlich,  daß  Münnich  sie  in  diesen  Entwürfen  bestärkt  habe.  Er
ein  Edelmann  von  den  Ufern  der  Hunte,  sie  eine  Prinzessin  von
Anhalt-Zerbst:  welches  Loos  der  Sterblichen!  Münnich  war  schon
seit  1736,  wo  er  die  Linien  von  Perekop  überstieg,  die  bis  dahin
für  unüberwindlich  galten,  ein  Schrecken  der  Türken.  Er  durfte
hoffen  die  Moldau  als  Fürstenthum  für  sich  davon  zu  tragen.  So
stand  seine  Sache  unter  der  Kaiserin  Anna.  Elisabeth  verbannte  ihn
nach  Sibirien.  Dort  weilte  er  20  Jahre  und  arbeitete  seine  Entwürfe
  aus  zur  Vernichtung  des  ottomanischen  Reiches.  Peter  III.
rief  ihn  zurück.  Münnich  war  damals  79  Jahre  alt,  an  Ehrgeiz
und  Thatkraft  war  er  jung  geblieben.  Er  harrte  bei  Peter  III.
aus,  bis  dieser  selbst  sich  verließ.  Wenn  der  schwache  Mann  den
Muth  gehabt  hätte  dem  dringenden  Rathe  Münnichs  zu  folgen:
so  wären  die  Entwürfe  Katharines  vereitelt.  Sie  rächte  sich  nicht