376

sprechend  gegen  ihre  liebsten  Neigungen  und  Entwürfe  mit  höchstem
Widerwillen  aufgenommen  werden.  Die  Pforte  ist  eine  Macht,
fuhr  Panin  fort,  mit  welcher  für  Rußland  jeder  Friede  nur  ein
Waffenstillstand  ist,  nur  eine  momentane  Unterbrechung  des  Kriegszustandes.
  Die  Kaiserin  wird  gar  nicht  begreifen,  sagte  Panin,
wie  der  König  Friedrich  eine  solche  Verbindung  zwischen  ihr  und
dem  alten  Erbfeinde  ihres  Reiches  nur  als  möglich  habe  denken
können.

Friedrich  ließ  die  Idee  fallen.  Aber  der  Eindruck  blieb.  Die
Gunst  der  Czarin  war  verscherzt.  Eben  noch  hatte  der  König
dieser  Herrscherin  des  barbarischen  Nordens  den  Weg  eröffnet  sich
mit  einem  Vorwande  und  Scheine  des  Rechtes  einzumischen  in  die
inneren  Angelegenheiten  der  deutschen  Nation.  Er  hatte  ihr  damit
den  größten  Dienst,  der  deutschen  Natien  den  größten  Undienst
erwiesen,  den  er  erweisen  konnte.  Er  hatte  die  Selbstentsagung
gehabt  die  Czarin  zu  preisen  für  das  Machtgebvt  eines  Friedens,
der  keineswegs  seinen  Wünschen  entsprach.  Und  nun  war  der
Dank  dafür,  daß  diese  selbe  Czarin  ihn  fallen  ließ,  weil  er  die
Dinge  in  der  Welt  ansah  von  seinem  Standpunkte  aus,  und  nicht
von  dem  ihrigen.  Er,  der  gewohnt  war  in  seinem  kang  gestreckten
Lande  nur  seine  eigene  Stimme  zu  vernehmen,  weil  er  für  jeden
Anderen,  der  ihm  grgenüber  es  wagte  nicht  seiner  Meinung  zu
sein,  die  Thore  von  Spandan  eröffnen  ließ:  er  erlebte  nun  als
Greis  von  siebenzig  Jahren  die  Wendung  der  Dinge,  daß  die
volle  Kundgebung  seiner  politischen  Leidenschaft  ihm  die  Gunst  der
mächtigen  Gewalthaberin  entzog,  die  seit  siebzehn  langen  Jahren  ein
Eckstein  seiner  politischen  Plane  war.  Die  Enttäuschung  war  ihm
schmerzlich,  um  so  schmerzlicher,  da  die  Entfremdung  der  Czarin
von  ihm  unmittelbar  eine  Annäherung  derselben  zu  Oestreich  nach
sich  zog.  Die  Thatsachen  lagen  unverkennbar  vor,  daß  Katharine
  II.  dem  deutschen  Kaiser  Joseph  II.  auf  halbem  Wege  entgegen
  kam.  Denn  es  war  ja  für  Joseph  das  natürliche  Bestreben,