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Städte,  den  ehrsamen  Altbürger,  einmal  in  Aufregung  bringen
konnte.  Es  war  der  confessionelle  Streit.  Allein  dies  Interesse
war  nur  scheinbar  ein  höheres;  denn  es  handelt  sich  nicht  um  die
eine  Wahrheit  gegen  die  andere,  sondern  um  kleinlichen  Besitz.
Joseph  II.  bei  aller  Ehrlichkeit  seines  Strebens  für  Recht  und
Gerechtigkeit  rührte  hier  mit  jedem  Schritte  ein  Wespennest  an.
„Wenn  ich  einem  Kapuzinerkloster  Recht  gebe,“  klagte  er  1)  dem
französischen  Botschafter  Breteuil,  „weil  ich  glaube,  daß  es  Recht
hat:  so  sagen  die  Protestanten,  ich  wolle  ihre  Religion  unterdrücken.
  Finde  ich  dagegen  die  Klagen  der  Protestanten  gegründet:
so  schreien  alle  Priester  und  Mönche,  daß  das  Reichsoberhaupt  die
Religion  verlasse.“  Wir  werden  nachher  zu  erörtern  haben,  wie  die
Umstände  in  diesen  Angelegenheiten  für  Friedrich  II.  günstig  lagen.

Es  kommt  uns  hier  zunächst  auf  die  Gesinnung  der  deutschen
Fürsten  an.  Die  Hast,  mit  welcher  der  Kaiser  Joseph  II.  verfuhr,
  rief  die  alte  Furcht  hervor,  daß  das  Kaiserhaus  damit  umgehe
  Deutschland  in  eine  erbliche  und  unumschränkte  Monarchie
zu  verwandeln.  Die  Furcht  ist  bekanntlich  nie  begründet  gewesen.
Die  Schritte  Kars  V.  nach  der  Schlacht  bei  Mühlberg  zeigen  von
einem  solchen  Streben  keine  Spur.  Daß  Ferdinand  II.  nie  die
Absicht  gehabt  andere  Rechte  in  Anspruch  zu  nehmen,  als  die  nach
der  Verfassung  des  Reiches  ihm  gebührten,  ist  neuerdings  so  klar
und  bündig  erwiesen,  daß  dagegen  in  unserer  Zeit  auch  nicht  ein
Zweifel  mehr  aufkommen  kann.)  Aber  die  Tradition,  welche  das
Uebergewicht  der  Schweden  und  Franzosen  in  der  zweiten  Hälfte  des
dreißigjährigen  Krieges  geschaffen,  glaubte  dies,  und  Friedrich  II.
hatte  diese  Tradition  sehr  nützlich  gefunden  für  seine  Zwecke.  Die
oberflächliche  Geschichtsanschauung  des  achtzehnten  Jahrhunderts,
welche  wir  vielfach  noch  fortwuchern  sehen  bis  auf  den  heutigen

1)  Flassan  VI.  249.  —  2)  Hurter:  zur  Geschichte  Wallensteins  p.  259.
Der  Brief  des  Kaisers  Ferdinand  II.  an  Wallenstein  vom  6.  Sptbr.  1628.