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Der  Ausdruck  ist  so  seltsam,  wie  der  Gedanke,  den  er  in  sich
zu  schließen  scheint.  Wir  sagen  absichtlich:  scheint;  denn  klar  ist
er  nicht.  Façon  kann  entweder  sein  das  individuelle  Verhältnis
des  Einzelnen  zur  Religion  und  Kirche  überhaupt,  oder  das  positive
  Bekenntnis,  welchem  Jemand  zugethan  ist:  sei  es  das  katholische,
  das  lutherische,  das  reformirte,  wie  der  Friede  von  Osnabrück
  die  Gewissensfreiheit  im  Reiche  festgestellt  hatte.  Scheint  der
Wortsinn  für  die  erstere  Erklärung  zu  sprechen:  so  ist  in  Betreff
der  anderen  zu  bemerken,  daß  sie  unterstützt  wird  durch  den  Zusatz
des  Königs:  die  Religionen  müssen  alle  tolerirt  werden.  Am
sichersten  vielleicht  dürfte  man  gehen,  wenn  man  das  Wort  Facon
von  dem  Könige  selbst  in  beiderlei  Weise  gemeint  ansieht.  Demnach
  würde  er  mit  diesen  Worten  unbedingte  Glaubens=  und
Gewissensfreiheit  für  seine  Länder  proklamirt  haben.  So  allerdings
  ist  die  gewöhnliche  Annahme.  Es  fragt  sich  dann,  ob  sie
außer  den  Worten  auch  thatsächlich  begründet  sei.

Bis  auf  Friedrich  II.  war  die  Zahl  katholischer  Unterthanen
in  den  Ländern  des  Hauses  Brandenburg  kaum  nennenswerth.
Wo  sich  katholische  Gemeinden  fanden,  da  gründete  sich  der  rechtliche
  Bestand  derselben  auf  das  Normaljahr  1624.  Einzelne  Katholiken
  fanden  sich  weit  zerstreut,  namentlich  in  den  größeren  Städten.
Neue  kirchliche  Gemeinden  hatten  sie  nicht  gebildet,  oder  vielmehr
durften  sie  eben  nach  jenem  Normaljahre  nicht  bilden.

Wir  haben  gesehen,  wie  Friedrich  II.  einige  Monate,  nachdem
er  jene  Worte  von  der  Facon  zuerst  gesprochen,  sich  erobernd  auf
Schlesien  stürzte.  Der  Krieg  fand  bei  seinen  bisherigen  Unterthanen
  keinen  Anklang,  bis  der  König,  um  die  Worte  des  Philosophen
  Jordan  zu  gebrauchen,  den  Meisterstreich  machte  den  Krieg
als  einen  Religionskrieg  zu  verkünden  und  seinem  Heere  eine  Anzahl
  protestantischer  Geistlicher  zur  sofortigen  Verfügung  beizugesellen.
  Man  sagt,  also  habe  es  das  Bedürfnis  der  gedrückten
Protestanten  in  Schlesien  verlangt.  Die  Frage  zu  erörtern  dürfte