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Wir  verkennen  den  Werth  nicht,  den  auch  nur  eine  solche
Töleranz  —  denn  mehr  war  es  nicht  —  für  die  damalige  Zeit
hatte.  Doch  liegt  es  andererseits  nahe,  daß  der  König  nach  den
übernommenen  Verpflichtungen,  namentlich  in  Schlesien,  weniger
nicht  wohl  thun  konnte.  Ob  sein  Verhalten  gegen  den  Katholizismus
  aus  Eifer  für  den  Protestantismus  hervorging,  werden  wir
später  zu  erfragen  haben.

In  einer  ganz  besonderen  Beziehung  jedoch  ist  das  Verfahren
des  Königs  hervorzuheben  zur  Zeit  der  Aufhebung  des  Jesuiten-Ordens.
  Die  katholischen  Regierungen  wetteiferten  ihren  Unwillen
gegen  die  Jesuiten  an  den  Tag  zu  legen.  Der  Papst  hob  den
Orden  auf.  Die  Pariser  Philosophen,  namentlich  Voltaire  und
d'Alembert,  hetzten  den  König  zu  ähnlichen  Maßregeln,  wie  diejenigen,
  welche  der  Minister  Pombal  in  Portugal  anwandte.
Friedrich  II.  lehnte  alle  dergleichen  Zumuthungen,  die  mehre  Jahre
hindurch  immer  erneuert  wurden,  in  fester  und  bestimmter  Weise
ab.  Er  erwiedert  namentlich  dem  unablässig  drängenden  d'Alembert:
  wenn  man  den  Sturz  der  Jesuiten  als  einen  Sieg  der  Philosophie
  geltend  machen  wolle:  so  könne  er  beweisen,  daß  Eitelkeit,  geheime
  Rachsucht,  Ränke  und  vornämlich  Eigennutz  alles  gewirkt  habe.

Demgemäf  verhielt  sich  Friedrich,  als  er  das  päpstliche  Breve
der  Aufhebung  des  Ordens  erhielt.  Er  verbot  die  Bekanntmachung
desselben  in  seinen  Ländern.  Er  trug  seinem  Agenten  in  Rom
auf  es  bei  schicklicher  Gelegenheit  dem  Papste  selber  anzudeuten,
es  sei  der  Wille  des  Königs  die  Jesuiten  seiner  Länder  in  dem
bisherigen  Stande  zu  belassen.  Der  König  fügt  hinzu,  daß  er  in
aller  Rücksicht  nie  bessere  Priester  gefunden  habe,  als  die  Jesuiten.
Das  Wort  scheint  nicht  ohne  Bedeutung  gesprochen  zu  sein.  Der
König  sprach  nach  dem  siebenjährigen  Kriege  der  katholischen  Geistlichkeit
  von  Schlesien  in  scharfer  Weise  seinen  Unwillen  über  ihr
Verhalten  aus.  1)  Es  sei  bekannt,  sagte  er,  wie  frech  und  untren

1)  Preuß.  I.  328.