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stantismus,  der  individuellen  Selbstbestimmung  alle  erdenkliche
Freiheit  gegönnt.  Wir  haben  dies  zu  untersuchen.

Lange  bevor  Friedrich  II.  den  Thron  bestieg,  hatte  er  für  sich
persönlich  mit  allen  positiven  Religionsformen  gebrochen.  Der
katholischen  Kirche  war  er  von  Hause  aus  entschieden  abgeneigt,  und
in  geringerem  Grade  ward  er  es  schon  früh  auch  den  anderen  bestehenden
  Kirchen.  Er  war  fünf  und  zwanzig  Jahre  alt,  als  er
über  die  Reformation  dem  Philosophen  Voltaire  gegenüber  seine
Ansicht  also  darlegte:  1)  „Die  Fürften  im  Norden  find  Luther  und
Calvin  unstreitig  große  Verbindlichkeiten  schuldig;  denn  diese  übrigens
  armseligen  Leute  haben  sie  von  dem  Joche  der  Priester  befreit,
und  durch  die  Särularisation  der  Kirchengüter  ihre  Einkünfte  beträchtlich
  vermehrt.  Indessen  ist  ihre  Religion  noch  nicht  von
Frömmlingen  und  abergläubischen  Leuten  gereinigt.“  Dem  Zusammenhange
  nach  versteht  der  damalige  Prinz  unter  diesen  Leuten
die  Umgebung  seines  Vaters.  Er  bemüht  sich  bereits  damals  über
Voltaire  hinaus  zu  gehen.  Er  schreibt  1738  dem  franzöfischen
Philosophen:?)  „Um  mit  meiner  gewöhnlichen  Freimüthigkeit  zu
reden,  gestehe  ich  Ihnen  offenherzig,  daß  alles  was  den  Gottmenschen
  betrifft,  im  Munde  eines  Philosophen  mir  misfällt,  weil
ein  solcher  Mann  über  die  Irrthümer  des  Volkes  hinaus  sein  muß.
Lassen  Sie  dem  großen  Corneille,  der  nun  zum  alten  kindischen
Schwätzer  hinabgesunken  ist,  die  abgeschmackte  Arbeit  die  Nachahmung
  Jesu  Christi  zu  reimen,  und  nehmen  Sie  das  was  Sie
uns  zu  sagen  haben,  nur  aus  sich  selbst.  Man  kann  von  Fabeln
reden,  aber  nur  so,  daß  man  sie  als  solche  ansieht,  und  ich  halte
es  für  besser  ein  tiefes  Stillschweigen  über  die  christlichen  Fabeln  zu
beobachten,  die  durch  ihr  Alterthum  und  die  Leichtglöubigkeit  ungereimter
  und  stumpfköpfiger  Leute  heilig  geworden  sind.  Nur  auf
dem  Theater  würde  ich  irgend  ein  Stück  aus  der  Geschichte  dieses

1)  Oeuv.  XXI.  64.  14.  Mal  1737.  —  2)  a.  a.  O.  p.  201.  Mat  1738.