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angeblichen  Erlösers  vorzustellen  gestatten.  Aber  Sie  scheinen  durch
allzu  große  Nachgiebigkeit  gegen  die  Jesuiten  oder  das  Priestergeschmeiß
  bewogen  worden  zu  sein  in  einem  anderen  Tone  zu
reden.  Sie  sehen,  mein  Herr,  daß  ich  aufrichtig  bin.  Ich  kann
mich  irren,  aber  niemals  meine  Gefinnungen  verhehlen.“

In  Wahrheit  hat  Friedrich  II.  diese  Gefinnungen  ebenso  wenig
wie  gegen  Voltaire,  auch  gegen  Andere  verhehlt.  Was  er  von  den
posttiven  Lehren  des  Protestantismus  halte,  verkündete  er  der  Welt
mittelbar  im  Jahre  seiner  Thronbesteigung  durch  einige  hingeworfene
  Sätze  im  Antimachiavelli.  Die  Protestanten,  sagt  er,  benutzen
gegen  die  katholische  Lehre  von  der  Wandlung  die  Sätze  der  Ungläubigen.
  Für  die  eigenen  Lehren  benutzen  sie  gegen  die  Ungläubigen
  dieselbe  Beweisführung,  welche  sie  bei  den  Katholiken
verworfen  haben.  —  Dies  war  die  Fagon,  in  welcher  er  selbst  lebte:
die  in  der  damaligen  Zeit  nothwendige  Vorbedingung  des  Philosophenthums
  nach  französischer  Schule:  das  Modell,  nach  welcher
sich  die  ganze  Lebensanschauung  regelte,  vor  allen  Dingen  die
geschichtliche.

Indessen  die  Lebensstellung  der  Menschen  hat  eine  sonderbare
Macht.  Voltaire  und  Friedrich  II.  standen  einander  im  Philosophenthume
  ziemlich  nahe.  Aber  Voltaire  war  äußerlich  Katholik.
Friedrich  II.  war  äußerlich  Protestant.  Voltaire  ging  zu  Zeiten,
wenn  für  ihn  darauf  etwas  ankam,  in  die  Messe.  Für  Friedrich  II.
lag  die  Sache  noch  ganz  anders.  Er  war  als  Landesherr  geborener
  Oberbischof  seiner  Landeskirchen.  Eine  solche  Stellung  bei
seinen  Ansichten  über  Religion,  Christenthum  und  positive  Kirchenformen
  durfte  mislich  erscheinen.

Der  Vater  Friedrich  Wilhelm  I.  hatte  diese  Stellung,  welche
durch  den  Entwickelungsgang  der  Reformation  den  Landesfürsten
angewiesen  war,  kräftig  behauptet.  Er  hatte  gewissenhaft  nach
seiner  Weise  auch  auf  diesem  Felde  seine  Thätigkeit  entfaltet.  Die
lutherische  Kirchenform,  die  nirgends  so  prinzipiell  mit  dem  alt-